Židovská ročenka pre Slovensko
- Journal
- Židovská ročenka pre Slovensko
- Volume
- 5700 (1940)
- Date
- 1940-01-01
- Page
- Seite 130 (sequence 160)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/7957787-8905983--163-7957948- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
In den jüngsten Jahren wurde Erez nur vereinzelt mit Druckerschwärze „entdeckt". Wenn die von Organisationen und Privatunternehmern beförderten Olim ihre Reise nach Erez beschreiben würden, müßte selbst die Druckerschwärze erröten. # Da gab's 1905 auch eine ausschließlich jüdische Massenfahrt nach Erez, mit Sonderzügen und Separatdampfer — aber anders. Als Propagandachef des1 Fremdenverkehrsbureaus der k. ung. Staatsbahnen in Budapest, welches vorher mehrere indifferente Mittelmeerfahrten und katholische Wallfahrten nach Palästina durchgeführt hatte, regte ich bei dem damaligen Chefredakteur des jüdischen Wochenblattes „Egyenlöseg" Szabolcsi und dem damaligen Oberrabbiner von Alt-Ofen, Dr. Elias Adler die Idee einer jüdischen Gesellchaftsreise nach Erez an, welche es Juden ermöglichen sollte, ganz unter sich, in spezifisch jüdischem Rahmen, in jüdischem Geiste und jüdischer Mentalität das Land der jüdischen Volksideale zu besuchen. Es sollte doch etwas anderes sein, als mit einer Cookschen Reisegesellschaft Athen, Nazareth, Getsemane, die Via Dolorosa und nebstbei auch die Klagemauer zu besuchen. Selbst in den assimilatorischen Kreisen der ungarischen Juden war plötzlich mehr das Interesse für die jüdische Kolonien, die damals kaum gegründete „Siedlung" Tel Aviv erwacht. Schon die erste Ankündigung in den Zeitungen fand begeisterten Widerhall und bald war ein Komitee gebildet, dem führende Männer des Judentums angehörten. Wer kannte zu jener Zeit Devisen- oder verkehrtechnische Schwierigkeiten, Paß-, Visa- oder Transferkomplikationen? Trotzdem überließ man die technische Durchführung nicht, wie heute, ambitiösen, parteipatentierten Mund- und Ellenbogen-Helden, sondern bewährten Fachmännern, den aus der Cook'schen Schule hervorgegangenen „Conduktors" Hahn, Bärsony und Rozsa, während in Egypten und Erez die technische Durchführung die Managers Benzinger und Grajevsky, gediegene Fachleute, in die Hände nahmen. Dabei galt es um die bahnbrechende Lösung experimenteller Aufgaben zur Durchführung einer jüdischen Gesellschaftsreise unter Berücksichtigung aller jüdisch-nationaler und ritueller Erfordernisse bei möglichstem Komfort moderner Luxusreisen. So wie heute, unter wesentlich erschwerten Umständen, reisetechniseh naive, unerfahrene Streber und egoistische Profitjäger die Organisation und Leitung von Massentransporten jeder Art in Händen haben, mußte es leider zur Verwirtschaftung und Verteuerung der Reisekosten, zur Gefährdung des Lebens der Teilnehmer und allen Bitternissen kommen, die viel, viel jüdisches Gut und Blut kosteten. 130