Židovská ročenka pre Slovensko
- Journal
- Židovská ročenka pre Slovensko
- Volume
- 5700 (1940)
- Date
- 1940-01-01
- Page
- Seite 129 (sequence 159)
- Language
- German
- Belongs to
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WILHELM DONATH, BRATISLAVA: EINE FAHRT NACH EREZ Nichts liegt mir ferner, als eine der Palästina-Fahrten der jüngsten Zeitperiode zu beschreiben, die unter dem Sammelnamen „Illegale" berüchtigt sind. Die Geschichte dieser Fahrten ist längst mit Tränen* Blut geschrieben worden. Was aus hunderten Jammerbriefen unglückselig Betroffener, was aus Seufzern und Verzweiflungsschreien Angehöriger von dieser Sorte „Allijah" schon bekannt ist, das hat vor einigen Wochen die englische Regierung in kurzen Sätzen skizziert: „Die Illegalen werden auf Wracks wie Viehhorden befördert, sie werden materiell ausgebeutet, ausgepreßt und bringen ungewollt und unbewußt Elend und Gemeingefährliche nach Erez." Weil wir in Jahrzehnten vorher die freien, frohen Fahrten nach Erez nicht gewollt haben, sind heute dieser Fruktifizierung und Ausschrotung jüdischen Massenelends leider kein Schauermärchen geblieben. # In einer vom Zentral-Buchvertrieb des jüdischen Kulturbundes in Deutschland ausgegebenen Liste, der noch greifbaren jüdischen Bücher figuriert in den Werken des J. Kaufmann-Verlages, Frankfurt a/M., ein Werkchen: Reich: Meine Reise nach Palästina. Es gibt kaum ein Fleckchen der Erde, über den so viel gute Reisebeschreibungen gedruckt und so viel schlechte verbrochen wurden, als Erez Israel. Und doch hielt ich bei Anführung der Reich'sehen Broschüre den Atem an. Er führte mich auf 35 Jahre zurück, auf die Zeit kurz vor dem VI. Zionistenkongreß in Basel, dem ersten Kongreß, an dem Dr. Theodor Herzl s. A. nicht mehr teilnahm. Damals loderten in aller Welt die frisch angefachten schlummernden Funken des jüdischen Palästina-Ideals hoch und hehr auf, teils bejubelt, teils bewundert oder auch angefeindet. Die gesamte Weltpresse befaßte sich viel mit Palästina, seiner Kolonisation, seinen wirtschaftlichen Möglichkeiten und politischen Zukunftsträumen und die grossen Reisebureaus machten ihr Geschäft. Palästina-Besuche gehörten zum „letzten Schrei" der Touristik und in unzähligen Formaten und Feuilletons wurde Palästina propagiert. Ähnliche Palästina- Konjunktur flammte noch einmal in den ersten Nachkriegsjahren auf, als die Balfour-Deklaration und der begeistert einsetzende Aufbau des „jüdischen Nationalheimes" begonnen hatten und die Welt in Atem hielten. 9 129