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Židovská ročenka pre Slovensko · 1940-01-01 · 5700 (1940) · p. Seite 103

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Židovská ročenka pre Slovensko
Volume
5700 (1940)
Date
1940-01-01
Page
Seite 103 (sequence 119)
Language
German
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IRI
…/7957787-8905983--122-7957907
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zialen Rücksichten, die den engen menschlichen Interessen überstellt werden müßen. Das Leben und die historische Entwicklung des Judentums als' Volk, seine nationale, soziale, kulturelle, wirtschaftliche Tätigkeit als Ganzes betrachtet, dienten selbst als automatische und selbstwirkende Apologie gegen alle Angriffe und Verfolgungen aller Zeiten. Der Begriff des göttlichen Gesetzes, eines Gesetzes, das über die Menschen stehend, nie deren Bequemlichkeit dienen darf, nie aus konjunkturellen Bequemlichkeitsrücksichten abgeschüttelt werden kann, wurde in die menschliche Geschichte von den jüdischen Propheten eingeführt. Dieses Gesetz muß in erster Reihe gottesähnlich sein, daher Güte, Barmherzigkeit, Langmut und Liebe enthalten, aber andererseits muß es nebst Strenge auch rationell und klug (logisch) sein. ,flduth Adonai neemanah, mahkimath pethi". (Psalm 19.) Dieses Gesetz spricht universal zu allen Menschen gleichmäßig, denn alle Menschen sind ja Kinder eines einzigen Vaters. (Der Prophet Malaohi.) Dieser welterlösende Geist des Universalismus, der alle Menschen, alle früher so scharf geschiedenen Kasten, alle Paria's und Sklaven gleichmäßig aufnahm, war die größte ethische Idee aller Zeiten, die erste und allgemein unmittelbar fühlbare Folge des Monotheismus. Vielgötterei bedeutet Partikularismus, wo jeder Stamm, jedes Volk, jede Stadt ihre separaten gegeneinander kämpfenden und rivalisierenden Götter hütet. Die Propheten Israels verkündeten aber die Allmacht eines einzigen Gottes, dessen Kinder alle Völker und Rassen sind, „dessen Ebenbild alle Menschen ohne jeden Unterschied tragen" und dieser Gedanke mußte in letzter Konsequenz zur Vernichtung der antiken Welt, zur Befreiung aller Sklaven, zur Anerkennung der Gleichheit aller Menschen führen. Dem Judentum wird gerne übermäßiger Ritualismus vorr geworfen. Doch man vergißt es, daß das Judentum ein lebender Organismus, sich gegen alle Krankheiten und Gefahren mit tauglichen Mitteln schützen muß. Das irdische Leben ist laut jüdischer Lehre, eine in erster Reihe ernste und zweitens heilige Aufgabe, ein reines ,J^thikwocL,'.Vih,jithem kedoshim ki kadosh ani!" Seid heilig, denn heilig bin ich. (Lev.) Es kann der menschlichen Willkür nicht überlassen werden, wie das höchste Etikum, die Heiligwerdung jedes menschlichen Lebens erreicht werden soll. Das jeden Schritt des täglichen Lebens kontrollierende und bewachende Rituale muß sich schützend und zurückhaltend, keinesfalls aber hindernd auswirken. Dieses Rituale ist logisch, zielbewußt, freudebringend und die wüste Leere des zwecklos scheinenden Lebens erfüllend, da es national verbindend und mit sicherer Bewußtheit zu unaufhörlicher sittlicher Erneuerung führt. Talmudische Aggada und Midrash lehren und befehlen 108

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