Židovská ročenka pre Slovensko
- Journal
- Židovská ročenka pre Slovensko
- Volume
- 5700 (1940)
- Date
- 1940-01-01
- Page
- Seite 98 (sequence 114)
- Language
- German
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die Lust allein zu gelten habe, („carpe diem, quam minimum credula postero", „genieße den Tag und glaube nicht dem kommenden Morgen." Horaz.: Oden.) Die Betonung der Freude als Hauptfaktor im menschlichen Leben, mußte von dem Judentum auf das schärfste bekämpft werden. Wohl sei aber bemerkt, daß Epikuros selbst nur eine beschränkte, maßvolle Freude, nur nicht-sinnliche Lust als Lebensfaktor gelten ließ. Die jüdische Tradition erkannte stets den großen ethischen Wert der fröhlichen Empfindung, des Freudegefühles und erheischt als imperative Bedingung bei Erfüllung einer jeden Mizwah, eines jeden religiösen Gebotes, in erster Reihe das freudige Gefühl, die wahrhaftige Simchah. Denn ohne aufrichtig freudiges Empfinden, ohne alle Saiten der Seele durchzitternde innigste, jedoch geläuterte Heiterkeit und beschauliche Lust fehlt es an seelischer Harmonie, an Zusammentun aller menschlichen Regungen und Sinne als wichtigsten Faktor bei Erfüllung der höchsten Gebote, der Mizwoth. Es ist daher grundfalsch, wenn eine ganze Reihe von Schriftstellern die Behauptung aufstellt, das Judentum habe die frohe Ethik des heiteren Genußes, des Freudeempfindens nicht gekannt. Das Gegenteil ist wahr. Die Torah befiehlt sogar die „Freude" und wertet die Erfüllung der Gebote nur dann, wenn es mit Lust und Frohsinn mit heiterem Gemüte geschieht.1) Man bekämpfte die reine Negation, denn man lebte ein Leben des ewigen Schreckens, man war dem rücksichtslosesten Terror des Cäsarentums ausgesetzt, jedes kleinste Vergehen wurde mit schrecklichstem Martyrium vergolten und daher konnte und wollte man des einzigen Trostes und der einzigen Hoffnung nach Ende der irdischen Greuel und Jammer, des Himmels, sich nicht berauben lassen. Die Zeit der schrecklichsten Niederdrückung beraubte so manchen schwachen Charakter seines väterlichen Glaubens, Viele verzweifelten und suchten ihr Heil in der Fremde, am Glauben eines bequemlichst scheinenden Materialismus und Leugnung einer göttlichen Weltordnung und höherer Vorsehung. Doch war es ein Verrat am nationalen Gefühl und daher wollte man mit jüdischen Epikuräern schon aus diesem Grunde keinen Disput. Man konnte übrigens nie an einen Idealismus von Überläufern glauben, hielt es für unfaßbar, daß es möglich wäre aus idealen Gründen dem Judentum© sich zu entsagen und Polemik hielt man daher nur gegen den nicht jüdischen Epikuräer für ratsam, da an dessen Idealismus geglaubt werden konnte. Bereits Philo, der alexandrinische Philosoph und Josephus Flavius, der große jüdische Historiker führten beide in Rom Apologie reinster nationaler Art. Die Angriffe ihrer griechischen Widersacher, wie Manetho, Apion, wurden leicht widerlegt, doch erwies es sich schon damals, daß auch ohne jede 98