Židovská ročenka pre Slovensko
- Journal
- Židovská ročenka pre Slovensko
- Volume
- 5700 (1940)
- Date
- 1940-01-01
- Page
- Seite 97 (sequence 113)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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Dr. JAKOB WEISS, BRATISLAVA: APOLOGETIK IM JUDENTUM Eine systematische Zusammenfaßung von jüdischer Apologetik, das ist einer Wissenschaft der Abwehr gegen feindliche Angriffe dogmatischer und anderer Natur, hat es nie gegeben. Als Apologeten und Begründer der religionswissenschaftlichen Definition „Apologetik" gelten nur die Kirchenväter wie Justin der Märtyrer, Tertullian und andere, deren Abwehrschriften durch die metaphysisch-philosophischen Richtungen der heidnischen Umwelt während der ersten christlichen Jahrhunderten hervorgerufen wurden. Das Judentum und dessen Lehren wurden schon von Tertullian gegen die Angriffe des heidnischen Roms rühmlichst in Schutz genommen, da ja der engste Zusammenhang dieser beiden Religionen aufs tiefste empfunden wurde. In der Geschichte des Judentums wurde es bald zur unausweichlichen Notwendigkeit, die Angriffe und Polemik der äußeren Welt wie auch die Kritik der inneren Gegner mit voller Wirkungskraft begegnen zu können. Schon die Mishnah bringt den Lehrsatz: „Befleißige dich die Torah zu lernen und wisse, was du dem Epikuräer (Materialisten oder Gottesleugner) zu antworten hast. Hiezu Rabbi Johanan: Dies gilt nur von einem nichtjüdischen Epikuräer, ein jisraelitischer Epikuräer aber würde dadurch in seinem Epikuräertum noch mehr bestärkt werden" („pe-kar töfeh" Synh. IV. Fol. 38b und Aboth II. 14.) Es war niemals schwer für den jüdischen Gelehrten irgendwelche Angriffe dogmatischer Natur abzuweisen und die Waffen des Geistes wurden in Jisraels Hütten nie gefürchtet. Anders war es, wenn rohe, maßlose und vernichtende Angriffe, vom Scheine des Geistes kaum bemäntelt, direkt gegen das nackte Leben, gegen die Existenz des Volksganzen wüteten. Die Epikuräer, benannt nach den Begründer einer bedeutenden philosophischen Schule, nach Epikuros, dessen Lehren in der Zeit der ersten christlichen Jahrhunderte besonders bekannt und populär waren, bedrohte die Heiligkeit der Lehre, die im jüdischem Volke, im jüdischen Unterbewußtsein als Basis der nationalen Existenz empfunden wurde. Epikuros, der die Ideen des Materialismus des Demokrits eigentlich veredelte und von seinen Schülern mißverstanden wurde, galt als Vorkämpfer der Sünde, das Epikuräertum als schroffster Gegensatz der jüdischen Lehre. Eine Lehre, wonach die übersinnlichen Mächte dem weltlichen und menschlichen Getriebe vollständig fernstehen, das Individuum nur nach vollständige Intellektualisierung sich zu bestreben hat, als höchstes Gut 7 97