Židovská ročenka pre Slovensko
- Journal
- Židovská ročenka pre Slovensko
- Volume
- 5700 (1940)
- Date
- 1940-01-01
- Page
- Seite 93 (sequence 109)
- Language
- German
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An seine lyrischen Gedichte knüpfen sich würdig seine Volkslieder „Schire haam", kunstvoll und wie Musik erklingend, wie auch seine beliebten Kindergedichte. Wenn in seiner Lyrik volle Poesie, hehres Ideal, lauter Himmel ist, versteht er es ebenso meisterhaft in seinen Erzählungen und seinen prosaischen Werken realistisch und naturgetreu zu sein. Als Schilderer des Volkslebens des Juden, des Menschen ist er auch unübertroffen. Und Bialik versteht es auch seine Leser mit einem gesunden Humor zu erfrischen. Hier möchte ich nur auf seine Erzählung „Der kurze Freitag", „Jörn haschischi hakacer" hinweisen, welches unser hebräische Theater, die „Habimah" auf die Bühne brachte und welche dem Publikum wahre Lachsalven, aber auch Tränen der Rührung entlockte. Bialik wendet sich auch der Agada, diesem Urquell jüdicher Weisheit zu und sammelt die Lehren und Gleichnisse unserer Weisen in „Sepher Agadah", dieser systematischen Sammlung der in Mischna und Talmud enthaltenen Sprüche und Erzählungen, die er als heiliges Schrifttum behandelt. Ich möchte hier nur auf einen frühen Vorkämpfer der Agadah und deren Ewigkeitswert hinweisen. Es ist dies der berühmte Talmudforscher Salomo ben Abraham' vom Berge ("minha' har") aus Montpellier im XIII. Jahrhundert, der die Agada, als das geschichtliche Fundament der Offenbarung betrachtet und die aufgeklärten Maimonisten, die in ihr nur eine Sammlung poetischer Sagen erblickten, stark bekämpfte. Und so fand dieser durch und durch moderne Große, in seinen Werken und seinem Wirken nicht nur den direkten Kontakt zu den Propheten der ältesten Zeiten, sondern auch zu den Talmudgrößen des Mittelalters. Aber Bialik begnügte sich nicht allein damit. Denn er war auch Verfasser fachwissenschaftlicher Werke, Publizist und Ubersetzer. So übersetzte er unter anderem Shakespeares Julius Caesar, Schillers Wilhelm Teil, den Don Quichotte usw. Auch war er Verlagsleiter der „Moriah" und des „Dvir" und Herausgeber verschiedener Zeitschriften. Endlich sind auch seine hervorragenden Leistungen um die Abfassung und Herausgabe der Bibeltexte, der Mischna- und Talmuderklärer in Schulausgaben, weiters seine Arbeiten, bezw. die Beschaffung und die Drucklegung der spanischjüdischen Dichtungen und die Herausgabe eines Talmudlexikons hervorzuheben. Hier möchte ich wiederholt auf seine Essays hinweisen. Wir gewahren in ihnen eine bewundernswerte Gedankenfülle, Geisteshöhe, Originalität und Kraft der Überzeugung. Als hätte er die heute die Welt beherrschende Geisteswelle und Mentalität in seinem prophetischen Geiste vorausgesehen, schreibt er schon vor Jahrzehnten in dem Essay ,,Das hebr. Buch": „Es gibt auch Schöpfungen von Juden in fremden Spra- 93