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Židovská ročenka pre Slovensko · 1940-01-01 · 5700 (1940) · p. Seite 91

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Židovská ročenka pre Slovensko
Volume
5700 (1940)
Date
1940-01-01
Page
Seite 91 (sequence 107)
Language
German
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Und dann führt er aus: „Die Kraft der Worte liegt nicht in ihrem offenkundigen Inhalt, sondern in der Ablenkung des Bewußtseins, das mit ihnen verknüpft ist. Daß man seine Augen von etwas verhüllt, stellt schließlich die bequemste und leichteste Zuflucht vor der Gefahr dar. Dort, wo das Öffnen der Augen selbst die Gefahr ist, hat man keine sichere Zuflucht als das Verhüllen und wer weiß, vielleicht ist das Wort im Anfang nicht zwischen zweien entsprungen, zwischen Mensch und Mensch, ein Mittel geselligen Verkehrs, sondern es ist gerade aus dem Munde des einsamen Menschen gekommen, als Bindeglied zwischen ihm und seinem Selbst, im Sinne des1 Psalm-Verses „An meinem Innern wird mein Geist bestürzt und mit meinem Herzen pflege ich Zwiesprache..." Und nachdem er diese wunderbare Hymne über die Sprache in allgemeinem gesprochen, behandelt er im nächsten Essay die „Geburtswehen der Sprache", wo er eine tote Sprache charakterisiert: „Das Vorhandensein sprachlichen Besitzes allein, selbst wenn er sehr groß ist, genügt noch nicht, sondern ein solcher Besitz verpflichtet zu ständiger Umwendung, verlangt unaufhörliche Bewegung, das leichte Strömen der Rede. Die Existenz der reichsten unter den Sprachen ist verelendet, und die Sprache siecht dahin, wenn es für ihren Besitz nicht in jeder Stunde, in jedem Augenblick zugleich Wegführen und Zuführen, Nehmen und Geben, gibt. Groß ist die Kraft der lebendigen Rede. Bei einer Sprache aber, die nicht lebt, ist die Kraft der Verdauung geschwächt, das Licht ihres Lebens erlischt, so daß sie entstellt wird zum Unheil jener, die an ihr zur Hälfte, an der Schrift allein festhalten." Die neue jüdische Generation verstand daraus, daß die hebräische Sprache, insolange sie nur die Sprache der alten Schriften, die Sprache unserer Gebete ist, mag selbe noch so heilig sein, keine vollständige ist, bis sie nicht eine lebende, eine Sprache der Wirklichkeit, eine Sprache des Volkes ist. Bialik führt dann weiters aus, daß eine Sprache mit dem Schatze ihrer Begriffe wachsen muß und nicht nachhinken darf, da die Sprache mit dem Gedanken Schritt halten muß. Und fügt wörtlich hiezu: „Wehe dem Schriftsteller, der seine Gedanken nur übersetzt, nicht übertragt. Geht man von einer Sprache zur andern über, so geht immer ein Stück Seele mit.' Urhebräisch ist Bialik auch darin, daß er bei Neuschaffung der Sprache bei Modernisierung derselben deren Urquelle, die alten antiken heiligen jüdischen Schriften benützt und aus ihnen und mit ihrer Hilfe die neue lebendige Sprache schuf und vervollständigte. Und so geschah unter seiner Mithilfe das Wunder, daß die Jahrtausende alte, überlebte, tote Sprache 91

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