Mannheim
Compact Memory

Židovská ročenka pre Slovensko · 1940-01-01 · 5700 (1940) · p. Seite 87

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Židovská ročenka pre Slovensko
Volume
5700 (1940)
Date
1940-01-01
Page
Seite 87 (sequence 103)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/7957787-8905983--106-7957891
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Und weitere sagt er dort „Mit niedrigem Herzen und trachtender Schmach Verachten, verlachen sie Gottes Wort, Wahrlich! Ein elend Volk und voll Brand und Gift, Vom Haupt bis zur Sohle faulig und morsch!" Wir vermeinen einen Jesaia oder Jeremijahu zu hören! ,JLch bin zu Euch von Gott geschickt1* heißt es im Gedichte „Das letzte Wort". Bialik ist dem Rufe auch willig gefolgt, im Bewußtsein dessen, daß er eine schwere Aufgabe zu erfüllen hat. Er selbst sagt: I „Ich hab' gefolgt und bin gegangen Mein Weg war steinig und bedroht." Auch fühlt er sich eins mit seinem Volke und fühlt dessen Leid, wie sein eigenes. Wie unvergleichlich drückt er sich selber diesbezüglich aus: Gott strafte mich mit einem Herzen, Das jedes fremde Leiden kennt, Durchwühlt von meines Nächsten Schmerzen, Drin jedes anderen Hölle brennt." Und deshalb nannte ihn unser Tschernichovski: „das große, zarte, tief empfindende Herz Israels, das in Harmonie schlägt mit dem Herzen des Volkes." Und das Volk war ihm auch innig zugetan! Keiner unserer Dichter, keiner unserer Grössen war dem Volke so nahe, wie Bialik. Er ist es, der den unausgesprochenen Empfindungen des Volkes stets den richtigsten Ausdruck in Worten gab, wie nur er es konnte. Er wird deshalb auch „der einzige, der echt jüdische, der nationale Dichter" genannt. Und mit Recht, denn wenn von seinem Volke, dessen Leid und Elend die Rede ist, tritt er allen Mächten entgegen. Er beschreibt die unerhörten Marter und Leiden des Volkes in einer Weise, die das Blut in den Adern erstarren läßt. Er geht selbst nach Kischenew, der Pogromstadt, um zu sehen und schauen und anzuklagen. 87

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.