Židovská ročenka pre Slovensko
- Journal
- Židovská ročenka pre Slovensko
- Volume
- 5700 (1940)
- Date
- 1940-01-01
- Page
- Seite 86 (sequence 102)
- Language
- German
- Belongs to
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Und wanderst du nächstens in eine der Städte, Wenn nur noch die Sterne der Höhe flimmern. Die Gräser wispern, die Winde lispeln, Dann hörst du von fern eine summende Stimme, Merkst durch ein Fenster ein blizelnd Licht, Und drinn ein Menschgebild wie ein Schatten, Sich biegend, sich wiegend und trüb eine Stimme, Die wie aus den Quellen des Schweigens sich hebt, Ein Mathmid isfs, verspätet im Lernen, Den du in einem Kerker da siehst/' Und die Schilderung des Lernens dieses Mathmid, der in seinem Studium aufgeht und keine Jugend, keine Freude kennt, keinerlei Ansprüche hat und nichts ersehnt, — nur stets aus der Gotteslehre schöpft, ist derart naturgetreu, daß sie uns alle mitreißt, ja den Dichter selbst, der sein Schicksal beweint, welches ihn zu anderen Wegen zwang. Und am Ende beweint er das Schicksal seines Volkes ausrufend: Dann denk? ich an euer geschände tes Ende — Weh' mir, mein armes, unseliges Volk! Wie dürr und gottverflucht ist der Acker, Wo solche Saat in Dürre verkommt." Aber wo es am Platze und an der Zeit ist, sendet er auch seine Blitzstrahle und findet Worte des Zornes gegen sein eigenes, geliebtes Volk, wie keiner seit Jahrtausenden! In seinen gewaltigen „Liedern des Zornes" geißelt er auch sein Volk, trotz seiner Liebe zu demselben oder eben deswegen. Er findet das Volk seiner grossen Sendung nicht gewachsen, nicht würdig Gottes Volk zu sein. Und diese Gedichte muten uns an, wie die Zornausbrüche unserer alten Propheten. In seinem flammenden Ewigkeitsgedicht „Achen chacir haam" — „Gras ist das Volk" heißt es: „Wahrlich Gras ist das Volk —, ward so verdorrt wie Holz. Wahrlich! wund ist das Volk und end-und heillos wund. Wenn Gottes Donnerruf von hier und dort erdröhnt, Nicht hebt es sich mit der Löwen Macht, Nicht bebt des Rufes ein Mann der Stadt." 86