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Židovská ročenka pre Slovensko · 1940-01-01 · 5700 (1940) · p. Seite 77

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Židovská ročenka pre Slovensko
Volume
5700 (1940)
Date
1940-01-01
Page
Seite 77 (sequence 93)
Language
German
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IRI
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dein kleinen Adel in ein unbeschreibliches Elend gestürtzt. Ja, die gute Erde gab ja das Ihre heraus, die Viehzucht war auch wieder ausgiebig, aber wie soll dies alles zu Gold und Silber umgewandelt werden in einer Zeit, wo nicht einmal die größeren Städte einen regelrechten Kaufmannsstand besaßen, nicht von den kleinen Burgdörfern zu sprechen. Besonders groß war die Myserie im Waagtale, wo noch zu allem Bösen die Plünderungszüge der zerstreuten husitischen Krieger kamen. König Matthias, der als Prätendent der böhmischen Krone auch den Großteil von Mähren bis Olmütz beherrschte, lernte in seinem mährischen Kronland die damals dort noch ansäßigen Juden kennen. Es waren zum Großteil Handwerker: Weber und Gerber, die ihre Waren und auch die Waren ihrer mährischen Genossen ins weite Ausland brachten und so das kleine Mähren zu einem großen wirtschaftlichen Aufschwung führten. Olmütz, Leipnik, Holleschau, Hradisch und Brod waren blühende Städte und Judengemeinden. Die umliegenden Dörfer beherbergten ein reiches und zufriedenes Bauernvolk. Und kaum einige Meilen weiter ging das Volk arm, barfuß und halbnackt herum. Im Jahre 14£5 siedelte König Matthias die ersten zehn Privilegjuden in der Marstadt Wagneustadtl an. Sie hatten ein ausschließliches Recht erhalten, die Wolle und die Landesprodukten im ganzen Waagtal, bis zur königlichen Privilegstadt Sillein gegen Bezahlung mit Gold und Silber zu kaufen und waren verpflichtet ihre Ware ausschließlich nach Mähren zu verkaufen. Der Schutz der Privilegjuden war dem Probst von Waagneustadtl übertragen. In Walachisch Klobouk war das Sammellager, wo die mährischen Handwerker und Händler unter Aufsicht eines königlichen Kommissärs die Ware aus den Händen der Privilegjuden übernahm. Damit war der Anfang der jüdischen Siedlungen im Waagtal gemacht. Kurz, es zeigte sich, wie klug König Matthias' gehandelt hatte. Städtchen und Dörfer, wo die aufgestappelte Schafwolle jahrelang verfaulte und Korn und Weizen unverkauft zugrunde gingen, begannen zu blühen und schon war nach kurzer Zeit die Arbeitskraft der Privilegjuden zu klein, um den heranwachsenden Verkehr zu bestreiten. Das Privileg wurde erweitert. Den Uberschuß, den Mähren nicht aufnahm, konnten die Juden in beliebige Länder ausführen und es wurde ihnen auch gestattet, mit Genehmigung des Probst-Schutzherrn jüdische Einkäufer in den kleineren Gemeinden anzusiedeln. Im Archiv des Probstamtes in Waagneustadtl liegen noch heute Gesuche aus jener Zeit, in welchen Gemeinden in untertäniger Hochachtung bitten, der gnädige Herr Probst möge ihnen einen Juden zulassen, da sonst Ernte, Wolle und Häute verfaulen. Die Gemeinde garantiert mit eigenem Leben und Habe das Leben und Habe des Juden. 77

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