Židovská ročenka pre Slovensko
- Journal
- Židovská ročenka pre Slovensko
- Volume
- 5700 (1940)
- Date
- 1940-01-01
- Page
- Seite 76 (sequence 92)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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ELEK SPITZER-UDVARDI, ZlLINA: Wie die ersten Juden das Waagfal besiedelten Nachstehende Skizze ist ein Fragment des Romans „Familie Hoffmannstar, welcher von einem Ostrauer Verlag übernommen und herausgebracht werden sollte. Der angeführte Abschnitt befasst sich mit der ersten Ansiedlung der Juden im Waagtal. Ihr werdet wohl fragen, wieso der „gerechte" König Mathias Corvinus von Ungarn ausgerechnet im Zusammenhang mit dem großen Rabbi Jochanan ben Sakkai in Verbindung gebracht werden kann? Und doch ist die Sache einfach und klar. Hört nur recht zu! Als die Römer unsere Väter aus der heiligen Heimat vertrieben und sie in die weite Welt wanderten, waren sie nackt ausgeplündert. Alles, was sie an irdischem Hab und Gut hatten, nahm ihnen der Tyrann ab. Und da gab ihnen der große Lehrer aus Jabneh, Rabbi Jochanan ben Sakai, einen zwar unsichtbaren, aber wie es sich durch viele Jahrhunderte bewies, Gold und Silber weit überragenden Schatz mit auf die Weltwanderung: das Gebot, daß jeder Jude die heilige Lehre der Väter in der heiligen Heimatsprache sich zu eigen mache und schon im Kindesalter Hebräisch lesen und schreiben lerne. Kein Fürst der fremden Länder, die die zerstreuten Juden aufnahmen, kam auf die Idee, welch eine starke Waffe durch dieses Gebot des Rabbi Jochanan ben Sakai den Juden und ihren Gastgebevölkern vermacht wurde. Kein Herrscher bis zum Könige von Ungarn, Matthias. Natürlich war es nicht etwa irgendwelche mystische Verehrung der Bibelsprache — dazu war dieser große Skeptiker des Cinquecento viel zu ketzerisch — die den König zum Hebräischen führte, sondern die politische und wirtschaftliche Klugheit, welche ihn weit über seine Zeitgenossen hervorhob. Zu einer Zeit, wo das Schrifttum der verschiedenen europäischen Sprachen noch in Kinderschuhen steckte und es zur größten Gelehrtheit gehörte, wenn jemand überhaupt lesen und schreiben konnte, — war hier eine Schicht der Bevölkerung, die die Mittel des schriftlichen Verkehrs nicht nur für das Inland besaß, sondern auch mit entfernten Ländern verkehren vermochte, in einer Sprache, die in Livorno, Amsterdam, Cadiz und Alexandrien, kurz überall, wo Juden hausten, verstanden und beantwortet werden konnte. Nach den ersten Türkenkriegen war die Armut in Ungarn groß. Gold und Silber waren längst in die Taschen der venezianischen Kriegslieferanten verschwunden und das Volk samt 76