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Židovská ročenka pre Slovensko · 1940-01-01 · 5700 (1940) · p. Seite 69

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Židovská ročenka pre Slovensko
Volume
5700 (1940)
Date
1940-01-01
Page
Seite 69 (sequence 85)
Language
German
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der Feuerbrand der verkümmerten, verfallenen Häuschen. Überall hört man jämmerliches Weinen und Wehklagen, Väter, Mütter, Greise und Kinder werden unter quälenden Brandwunden hinweggerafft. Fast die Hälfte des Ghetto ist bereits der fürchterlichen Katastrophe zum Opfer gefallen. Nur mehr Tote und verkohlte Leichname werden aus den Häusern geschleppt ... Und Rivka bath Mordeehai, die Chaschüwa, deren Name die Gemäuer des Schoßberger Ghetto überdauerte, liegt gleichfalls unter den übrigen Verwundeten und Sterbenden auf dem glatten Rasen unweit der Brandstätte. Über sie gebeugt steht Rabbi Gabriel Hazaddik, der gemeinsam mit einigen älteren Männern das Totengebet spricht, das der noch immer heulende Sturmwind nach allen Richtungen zerstreut. Rivka windet sich in fürchterlichen Qualen, in ihrem Geist spuken Schreckbilder vom qualvollen Sterben ihrer armen Kinder. Das Herz stockt, der Atem übergeht in schweres Röcheln, man sieht es ihr an, daß sie unsagbar leidet. Sie versucht den Kopf zu heben, will etwas sagen, doch es fehlt ihr bereits die Kraft dazu. Schwer röchelnd stößt sie die Worte hervor, die kaum hörbar, nur verschleiert an den Bewegungen ihrer Lippen zu erraten sind: „Ein Procheth — fertigt an — schwarz — bestickt mit meinem Namen — Rivka — bath — Mordechaj — auch die Namen — meiner Kinder — sagt Maskir — echod ..." — flüsterte sie den letzten Akkord des Schma Jisroel lang und schmerzhaft. Ihr Gesicht verzerrt sich und mit einem langen schweren Röcheln platzt die letzte Saite in ihrer Seele, um sich zum Schemel des himmlischen Vaters zu erheben. Pietätsvoll ist im Sastin-Schoßberger Maskirbuch auf einem schwarz umrahmten Blatt „Rivka bath Mordechaj hanisrefes" verewigt und der in der Todesstunde gespendete schwarze Vorhang schmückt heute noch die Thoralade, wenn das Jiskor-Gebet aufklingt und der andächtigen Gemeinde Tränen entlockt. $ Tatsächlich hat es dem jüdischen Volke nie an Männern gefehlt, die sich die Förderung des Gemeinwohls zur Lebensaufgabe gemacht haben. Die soziale Ethik war nicht bloß Theorie, sondern sie wurde im Leben verwirklicht. Im Volke wurde das Pflichtgefühl wachgehalten, für das öffentliche Wohl nach Kräften zu sorgen und in uneigennütziger Weise mit Hingebung für andere tätig zu sein, in dem vollen Bewußtsein, daß man damit eine Last auf sich nimmt. (A. Loewenthal in „Die Lehren des Judentums".) 69

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