Židovská ročenka pre Slovensko
- Journal
- Židovská ročenka pre Slovensko
- Volume
- 5700 (1940)
- Date
- 1940-01-01
- Page
- Seite 67 (sequence 83)
- Language
- German
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Herzen auslösten. Die Gefahr war vorüber. Allmählich sank das Wasser und nach einer Weile sah man aus dem überschwemmten Gebiet auch schon ein Stück trockenen Boden» hervorragen... $ MASKIR Ein schwarzes Procheth, das in der Sastiner Synagoge zu Maskir die Thoralade schmückt — eine Widmung von Rivka bath Mordechaj „hanisrefes" — kündet in wenigen Worten die furchtbare Tragödie der Brandkatdstrophe, von der das Sasttn-Schoßberger Ghetto im Jahre 5529 (1110) heimgesucht wurde. In einer geheimnisvollen Juninacht züngelte plötzlich ein feuerroter Lichtstrahl gegen den tiefschwarzen Himmel. Entsetzt blickte der brave Nachtwächter Schimmele, der gerade schleichenden Schrittes seinen Rundgang durch die holprigen und runzligen Gäßchen des Sastin-Schoßberger Ghetto machte, nach dieser sonderbaren Himmelserscheinung. Böse Ahnungen wälzten sich in seinem Gehirn. Eine lähmende Angst befiel ihn und der Atem blieb ihm förmlich im Munde stecken. Wo doch Schimmele sonst kein Hasenfuß war, zumal er ja an die finstere, peinliche Stille, an die quälende Eintönigkeit, die nachts auf der ohnehin gedrückten Atmosphäre des Ghetto lastete, so sehr gewöhnt war. Er mußte seinen ganzen Mut zusammennehmen, um hastenden Schrittes die gedrängte Häuserreihe hinunterzueilen, wo hinter ausgetretenen Stufen in einem kleinen verfallenen Häuschen, das sich neben der stolzen Synagoge noch zwerghafter ausnahm, der greise Rabbi Gabriel Schoßberg, der gelehrte Rabbiner der Gemeinde, wohnte. Der dünne Lichtstrahl, der aus dem Fenster seiner Wohnung blinkte, verriet, daß der Rabbi noch wachte und über alten Talmudfolianten gebeugt, den Wahrheiten des Judentums nachgrübelte. Schimmele klopfte am Fenster des Rabbi, den er in großer Erregung, die ihn nicht zum Worte kommen ließ, nur stumm mit dem Stock nach dem rotflammenden Himmel weisend, auf die unheilverkündende Erscheinung aufmerksam machte. In diesem Augenblick flüchtete ein blendender Feuerschweif in mächtigem Bogen in südwestliche Richtung des Horizonts. Sorgenvoll, mit gerunzelter Stirn beobachtete der greise Zaddik dieses nächtliche Blendwerk und den Blick zum Himmel gewendet murmelte er nur: „Ich fürchte, daß Gott uns neuerdings erproben will, ob wir ihm die Treue halten und seinen erhabenen Namen heiligen werden. Es sind jedoch Leiden, die uns von den Sünden reinigen. Oh, mögen doch endlich die 5* 67