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Židovská ročenka pre Slovensko · 1940-01-01 · 5700 (1940) · p. Seite 66

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Židovská ročenka pre Slovensko
Volume
5700 (1940)
Date
1940-01-01
Page
Seite 66 (sequence 82)
Language
German
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IRI
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Immer größere Regengüsse vorsintflutlichen Ausmaßes, inmitten ohrenbetäubendem Donnergetöse und aufschreckenden Blitzlichter strömen hernieder. Und in den engen Judenwohnungen öffnen in dieser furchtbaren Geisterstunde erschreckte und eingeschüchterte Menschen das „Chumesch", Schutz und Hilfe suchend in den geheiligten Buchstaben der „ Assereth Hadibruth". Doch als ob sich auch die Schleusen der Erde geöffnet hätten, schießen Fluten vom Grundwasser in die Höhe und wetteifernd mit den unermeßlichen Regengüssen überschwemmen ungeheure Wassermassen die ganze Erdoberfläche des Ortes. Jammernde Frauen, weinende Kinder in den Armen der Väter, erschreckte Männer kämpfen sich durch die steigenden Wasserfluten dem Tempelhof zu, der auf einer kleinen Anhöhe gelegen, gleicherweise Juden wie Nichtjuden in dieser gefährlichen Stunde Schutz bietet. Die ganze Ortsbevölkerung ist hier zusammengedrängt, um ihr nacktes Leben zu retten. In den Wasserfluten jedoch schwimmen Hausgeräte, Kästen, Kleider, Wäsche und allerhand Ladenkram, das nicht mehr gerettet werden konnte. Das Wasser dringt in die Wohnungen, Stallungen, Werkstätten und Geschäfte ein, und alles, was nicht unbeweglich ist, fällt ihm zum Opfer. Selbst Häuser stürzen zusammen und begraben unter sich, was von den Fluten verschont blieb. Ein ohnmächtiges Schreien, Jammern und Fluchen steigert den fürchterlichen Wirrwarr dieser verzweifelten Menschen, doch an Rettung irgendwelcher Gegenstände inmitten dieses Höllenspektakels der entfesselten Natur kann nicht einmal gedacht werden. In der Synagoge jedoch bei schwacher Kerzenbeleuchtung ertönen von zitternden Lippen die einleitenden Worte des MaariW-Gebetes: „W'hu rachum j'chaper owan, w'lo jaschchit", „Er in seinem großen Erbarmen verzeiht die Sünden", diese Worte, die Schijele Chasen jetzt hinausschreit, werden in dieser Stunde von der jüdischen Seele in der tiefsten Bedeutung erfaßt. Selten wurde das Schmona Essre so andachtsvoll gebetet, wie damals, da Furcht und Schmerz sich des Herzen dieser Menschen bemächtigte. — Nach ihm sagt Rabbi Nathan dreimal die Widduj, was die ganze Gemeinde schuchzend nachbetet. Zum erstenmale in Schoßberg beteiligten sich auch Christen an diesem jüdischen Beten. Als hätte das letzte Stoßgebet dieser müden und verzagten Gemeinde sich den Weg zum Himmel geebnet, geschah nun vollends ein Wunder. Wenige Minuten nachher hörte auch der Regen auf. Um Mitternacht zeigten sich am Himmel die ersten Sterne, die Mut und Hoffnung in den fast verzweifelten 66

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