Židovská ročenka pre Slovensko
- Journal
- Židovská ročenka pre Slovensko
- Volume
- 5700 (1940)
- Date
- 1940-01-01
- Page
- Seite 31 (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/7957787-8905983--046-7957831- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
nim genannten großen Talmudlehrers flammte in Chassam Sofer hoch auf, wie die erlöschende Leuchte! Als sich vor 100 Jahren die auf der Höhe ihres Ruhmes stehende Preßburger Gemeinde zur Feier des neuen Jahres, des neuen Jahrhundertes in ihren zahlreichen Synagogen versammelt hatten, lag eine tiefe Schwermut über den Gläubigen, das große Leben ihres über alles verehrten Rabbis begann zu verdämmern. Als ob er „noch über den Feiertagen in der Gemeinde verweilen wolle", hielt seine Lebenskraft noch bis zum letzten Tage der Jomimtowim aus. Als ob er noch den wundersamen Abschiedssegen seines großen Namensbruders Moses „Wesoth habrocho" mitfeiern wollte. Am Morgen nach den Feiertagen verließ seine Seele die irdische Heimstätte. Ist es nicht als eine poetische Lizenz des Historikers, wenn er die astronomischen Kalenderziffern, die Jahrhundertzahlen, auch als Meilensteine der Entwicklungsgeschichte betrachten will? Aber Y'fi und t?"fi sind in der Tat der Anfang und das Ende einer der denkwürdigsten Epoche der vieltausendjährigen Geschichte des jüdischen Volkes. Als Chassam Sofer starb, blickte sein brechendes Auge in die Morgendämmerung der jüdischen Freiheit and Gleichberechtigung, deren Entwicklung er nur regeln, aber nicht hemmen wollte. Als sein Todestag zum hundertsten Male wiederkehrte, ward er von der Abenddämmerung des jüdischen Volksglückes schaurig-rot beleuchtet. Es gäbe keine größere Aufgabe für den jüdischen Historiker, kein wichtigeres Problem jüdischer Wissenschaft, als den Sinn dieser Jahrhundert langen Tragödie erkennen zu lernen und lehren. Niemals ist ein Volk aus solchen Tiefen mit solchem Ungestüm über alle Völker hinausgewachsen und welches Volk ist noch aus solchen Höhen so unbegreiflich tief gefallen?... „Aber es kann uns nicht auf immer verlassen der Herr, vielmehr wird Er sich erbarmen gemäß der Größe Seiner Liebe!" So ende das Jahrhundert mit seinen Flüchen, es hebe an ein Jahrhundert voller Segnungen. 31