Židovská ročenka pre Slovensko
- Journal
- Židovská ročenka pre Slovensko
- Volume
- 5700 (1940)
- Date
- 1940-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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dichtet, die sich in einem Krakauer Synagogenkodex vorfindet, gibt uns Kunde von dieser traurigen Tragödie, die sich 1494 in Tyrnau abgespielt hatte. Wir erfahren daraus, daß in Tyrnau am 3. Ellul die Juden wie eine Horde zusammengetrieben und eingekerkert wurden. Hab und Gut der Juden wurde geplündert. 12 Juden und 2 Jüdinnen wurden unter der Anklage eines Ritualmordes verhaftet, der Folter unterzogen, bei welcher die jungen, kräftigeren Angeklagten standhaft geleugnet haben. Es gelang aber einigen Alten ein Geständnis abzupressen, zufolge dem alle Angeklagten am 22. August 1494 den Scheiterhaufen besteigen mußten, nachdem sie sich geweigert haben, ihren Glauben zu verlassen, um dadurch eine Milderung oder Aufhebung des Urteils zu erlangen. Der Palatin Stefan Szapolyai selbst entzündete mit einer Fackel den Holzstoß. Seit diesem Ereignis war die bis dahin geachtete Stellung der Juden in Tyrnau völlig erschüttert. Dazu kam die nach der unglücklichen Schlacht bei Mohäcs (1526) entfachte judenfeindliche Welle in Ungarn, die zur Ausweisung der Juden aus Preßburg führte und sich auch nach dem slowakischen Landgebiete ausdehnte. So schrumpfte die alte Judengemeinde von Tyrnau immer mehr zusammen, bis im Jahre 1539 der letzte Rest der jüdischen Bevölkerung von Tyrnau und Umgebung ausgewiesen wurde. Während zwei Jahrhunderten durften in Tyrnau und Umgebung keine Juden wohnen, ja, nicht einmal diese Ortschaften betreten. Erst im Jahre 1717 gelang es dem damaligen anerkannten Vertreter der Judenheit Ungarns Simon Michel, als „Vertreter der jüdischen Nation" zu erwirken, daß es den Juden wieder gestattet werde durch die Gemarkungen der Stadt Tyrnau zu ziehen. Der historisch merkwürdige Vertrag, welchen die Stadt Tyrnau vor der ungarischen Kammer in Preßburg am 20. Dezember 1717 mit Simon Michel abgeschlossen hatte, befindet sich im Archiv der orth. Gemeinde Bratislava und ist hier mit Genehmigung Samuel Bettelheims aus seiner Judaica No. 23/24 veröffentlicht. Aber auch in Preßburg wurden die Juden nach der großen Katastrophe, die über Ungarn im Jahre 1526 hereinbrach, vertrieben. Die Juden wurden, selbstverständlich mit Unrecht, des Einvernehmens mit den Türken als den Feinden der katholischen Kirche geziehen und der Volkswut preisgegeben. Die meisten jüdischen Gemeinden wurden um diese Zeit hier völlig vernichtet. NEUERLICHE NIEDERLASSUNGEN. Erst gegen Ende des siebzehnten Jahrhunderts kommt es zu einer neuerlichen Emigration zahlreicher Juden aus Mähren nach der Slowakei, wo zu dieser Zeit die Stellung der Juden verhältnismäßig günstiger war, als in den gleichfalls von den Habsburgern beherrschten böhmischen und österreichischen Ländern. So kommt es, daß ein großer Teil der slowakischen 12