Židovská ročenka pre Slovensko
- Journal
- Židovská ročenka pre Slovensko
- Volume
- 5700 (1940)
- Date
- 1940-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 13)
- Language
- German
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men viele Juden nach Ungarn und der Slowakei, allerdings ohne Vermögen, da ihnen dasselbe vor dem Überschreiten der Grenze auf Befehl des Landesfürsten weggenommen wurde. Es ist dies die erste geschichtlich beglaubigte Abwanderung von Juden aus Böhmen und Mähren nach slowakischen Landesteilen. Die Rechtsverhältnisse der Juden in Ungarn, somit auch die der Slowakei, wurden zum erstenmale durch einen Freibrief des Königs Bela IV. aus dem Jahre 1251 geregelt, in welchem in 20 Punkten die bürgerliche Stellung der Juden behandelt erscheint. Auch aus diesem Freibrief ist es klar ersichtlich, daß damals bereits mehrere jüdische Gemeinden im Lande bestanden. Dieser Freibrief schützte die Juden vor böswilligen Verfolgungen. Im Gegensatze zu den damals oft vorkommenden Ausschreitungen und Plünderungen gegen die jüdische Bevölkerung, wie sie in Böhmen und Mähren im 14. Jahrhundert und in den benachbarten Ländern, zur Zeit der „schwarzen Pest", unter der Beschuldigung, daß die Juden die Brunnen vergiftet haben, wüteten, lebten die Juden hier völlig unbehelligt. So ist weiter nicht verwunderlich, daß die verfolgten und drangsalierten Juden insbesonders nach den argen Judenverfolgungen im Jahre 1348—1349 in Mähren in großen Scharen nach der Slowakei flüchteten, wo sie zur Vermehrung der jüdischen Bevölkerung im Lande beitrugen. Immerhin kam es auch hier bald zu Rückschlägen. So forderte schon im Jahre 1354 der ungarische König Ludwig der Große von den hier lebenden Juden entweder den Übertritt zum Christentum oder ihre Auswanderung aus dem Lande. Diese Verordnung wurde zwar nicht streng durchgeführt, weil die Adeligen die Juden schützten. Dennoch mußten viele Juden das Land verlassen, um wieder nach Wien und nach den Böhmischen Ländern auszuwandern, wo die judenfeindliche Welle inzwischen abgeflaut war. Im Laufe des fünfzehnten Jahrhunderts entwickelte sich hier wieder für die Juden ein erträglicher Zustand. Als 1421 in Wien eine blutige Judenvertreibung, die ,,Wiener Gesera", stattfand, war es wieder Preßburg und einzelne Gemeinden in den Karpathen, wie Tyrnau, Trencin, wo in der Burg des Mate Csak bereits um das Jahr 1300 Juden gewohnt hatten u. a., die den jüdischen Flüchtlingen ein sicheres Asyl boten. Im XIV. Jahrhundert hatte Preßburg bereits eine Judengemeinde, die auf 800 Seelen geschätzt werden darf. Sie bildete eine politisch gesonderte Gemeinde, über die ein Judenrichter zu walten hatte. Die Juden trieben hier einen ausgedehten Weinhandel und waren Besitzer größerer Weingärten. Nach dem Grundbuch des Jahres 1439 gab es in Preßburg über 30 jüdische Hausbesitzer und mehr als 15 Besitzer von Weingärten. Nebst Preßburg zählte noch Tyrnau zu den bekanntesten jüdischen Gemeinden des damaligen Ungarns. Eyssik Tyrnau, ein großer jüdischer Gelehrter im vierzehnten 9