Židovská ročenka pre Slovensko
- Journal
- Židovská ročenka pre Slovensko
- Volume
- 5700 (1940)
- Date
- 1940-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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DIE ERSTEN ANSIEDLUNGEN So wenig wir auch von den ersten Niederlassungen von Juden in der Slowakei wissen, so ist es doch unbestreitbar, daß die Juden in der Slowakei ihre eigene Geschichte haben, die fast ein Jahrtausend zurückreicht. Es ist ein Jammer, wie sehr dieses Teilgebiet der jüdischen Geschichte vernachlässigt wurde und wie wenig bisher zur Geschichte der Juden in den slowakischen Gemeinden erforscht wurde. Schon vor Jahrzehnten klagte der berühmte jüdische Historiker David Kaufmann, daß wir über das Leben der jüdischen Gemeinde in Langue D'Oc vor vielen Jahrhunderten besser informiert sind, als über das Leben in den jüdischen Gemeinden der Slowakei. Und so blieb es bis heute. Obwohl unzählige Dokumente das Vorhandensein von blühenden jüdischen Siedlungen in Nitra unter Svatopluk, in Bratislava im zwölften und dreizehnten Jahrhundert, in Trnava, Hlöhovec, Trencin, Pezinok und in anderen slowakischen Ortschaften im Mittelalter, beweisen, wissen wir fast nichts aus ihrer Geschichte. Gelegentliche geschichtliche Mitteilungen auf diesem Gebiete muten an wie Ergebnisse einer entlegenen Gelehrtenexpedition. Wenn man z. B. den Roman Ludwig Birös „Die Juden in Pezinok" liest, der das Leben und Sterben einer kleinen slowakischen Judengemeinde nach der Schlacht bei Mohäcs schildert, wird man sich erst inne, wieviel interessantes historisches Material in den Archiven unbekannt und unerforscht noch liegen mag. Tatsache ist allenfalls, daß bereits zur Zeit des Großmährischen Reiches, welches auch die ganze westliche Slowakei umfaßte, Juden in diesem Gebiete wohnten. Die sogenannte Raffelstätter Urkunde aus dem Jahre 903 spricht von „Juden und anderen Handelsleuten, sie kämen woher immer aus diesem oder jenem Lande, wie aus Böhmen oder Mähren". Unter der Bezeichnung „Mähren" dürften auch die angrenzenden Landesteile der Slowakei zu verstehen sein, da diese kurz vor dieser Zeit mit Mähren eine politische Einheit gebildet hatten. Aber auch nach dem Zusammenbruch des Großmährischen Reiches und unter der Ärpadenherrschaft fühlten sich die Juden in der Slowakei gut und verhältnismäßig besser als in dem westlichen Europa. Sie durften hier Grundbesitz erwerben und standen, allerdings für teures Geld, unter dem unmittelbaren Schutz der ungarischen Könige. Auch der ungarische Adel ließ den Juden seine wirksame Hilfe angedeihen, da die Juden damals die Träger des Handels waren, einerseits die Landesprodukte durch ihre ausländischen Verbindungen vorteilhaft absetzten, anderseits vom Auslande die damals noch kostbaren Luxusartikel zu beschaffen verstanden. Als später, im Jahre 1096 die Kreuzfahrer durch Böhmen und Mähren zogen und es dort an verschiedenen Orten zu Judenverfolgungen kam, ka- 8