Židovská ročenka pre Slovensko
- Journal
- Židovská ročenka pre Slovensko
- Volume
- 5700 (1940)
- Date
- 1940-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 11)
- Language
- German
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DAVID GROSS: Die Juden in der Slowakei In einem gedankenreichen Vortrag, den der unvergeßliche Schmarjahu Lewin, einer der führenden Männer der zionistischen Bewegung, im Mai 1920 in Bratislava hielt, klangen Worte auf, die ich dieser geschichtlichen Betrachtung als Motto voransetzen möchte. Er sagte damals: „Es gab eine Zeit, und die Zeit ist nicht sehr entfernt, da man geglaubt hat, daß die Juden keinen Sinn für Historie haben. Vor mehreren Jahren hat Professor Oncken in einer Zeitschrift bewiesen, daß die Juden in ihrer Bibel bessere Geschichte geschrieben haben als die Griechen und Römer. Ich bin aufgewachsen mit der Bibel, aber nie vorher ist es mir aufgefallen, daß wir in der Bibel eine schöne historische Beschreibung haben. Aber nach dem ich den Artikel des Professor Oncken gelesen hatte, verstand ich erst den Sinn der Worte des großen jüdischen Führers Moses: ,S'chor j'moth olam, binu schnoth dor w'dor'. Trachten wir den Zusammenhang der Generationen zu begreifen! Eine Generation an sich schafft nichts in der Geschichte. Die Geschichte entsteht nur durch das Vererben einer Generation an die andere. Geschichte beruht auf Tradition. Wenn wir den Sinn der Geschichte begreifen, verschwinden viele Mißverständnisse. Ich bin überzeugt, daß alle Reibungen der Nationen auf Mißverständnissen beruhen." Heute, da wir die Richtigkeit dieser Worte, besonders die des Schlußsatzes, im wahrsten Sinne ihrer Bedeutung erleben, heute, da sich die Geschichte überstürzt und in atemberaubender Raschheit vor unseren fast geblendeten Augen abrollt, ist es mehr denn je erforderlich, daß wir uns an den Boden unserer mehrtausendjährigen Geschichte festklammern, um nicht von den Stürmen der Zeit hinweggefegt zu werden. Ausder historischen Erkenntnis unserer Vergangenheit wollen wir nicht nur Rat und Anregung für die Zukunft holen, sondern auch die Verpflichtung ableiten, unsere Stellung im eigenen Volkskreise und im Kreise der Völker im richtigen Licht der wahren Wirklichkeit zu sehen. * 7