Einladungsschrift zu der öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Volume
- 1867
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 55 (sequence 61)
- Language
- German
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55 „Man kann es mir ... . gewiß glauben, daß beide Correspondenten, auch ohne Reichthum, Tugend und Gelehrsamkeit zu erlangen gewußt haben, und ich bin überzeugt, daß sie unter ihrem Volke mehr Nachfolger haben würden, wenn ihnen die Christen nur vergönnten, das Haupt ein wenig mehr zu erheben." Daß Michaelis sich zu seiner verletzenden Aeußerung verleiten ließ, war blos der Befangenheit zuzuschreiben. Er war Einer der Ersten, die den Geist Lessings erkannten, und die beiden Männer traten einander immer näher. Nachdem Mendelssohn als philosophischer Schriftsteller hervorgetreten war, bildetete sich durch die Vermittelung Lessings auch zwischen ihm und Michaelis eine freundschaftliche Beziehung. Als Lessing diesem das erste Stück der „theatralischen Bibliothek" zusandte, welches die Erwiederung auf die Recension des Lustspiels enthielt, schrieb er ihm: „Nur des eingerückten Briefes wegen bin ich wirklich in Sorgen. Wenn einige anstößige Ausdrücke darin Vorkommen sollten.. .., so bitte ich beständig auf den Verfasser zurückzusehen. Er ist wirklich ein Jude; ein Mensch von etlichen und zwanzig Jahren, welcher, ohne alle Anweisung, in Sprachen, in der Mathematik, in der Weltweisheit, in der Poesie, eine große Stärke erlangt hat. Ich sehe ihn im Voraus als eine Ehre seiner Nation an, wenn ihn anders seine eigenen Glaubensgenossen zur Reife kommen lassen, die allezeit ein unglücklicher Verfolgungsgeist wider Leute seines gleichen getrieben hat. Seine Redlichkeit und seine philosophischer Geist läßt mich ihn im Voraus als einen zweiten Spinoza betrachten, dem zur völligen Gleichheit mit dem erstern nichts, als seine Jrrhümer fehlen werden". (XII, 27.) Das Lustspiel: „Die Juden" war ein Vorläufer des „Nathan". Wir können nicht von Lessing scheiden, ohne uns zuvor noch einen flüchtigen Ausblick in diese Welt des Lichtes und der Liebe zu gestatten. Man hat auch den Charakter eines Nathan für unwahrscheinlich erklärt, weil es undenkbar sei, daß im zwölften Jahrhundert ein solcher Mann aus dem in sich abgeschlossenen, starren Judenthume hervorgegangen. Lessing hätte aber die Zeit und den Schauplatz seines Drama's nicht glücklicher wählen können. Ein Jude, derselbe Maimonides, in dessen Werk sich Mendelssohn.schon