Einladungsschrift zu der öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Volume
- 1867
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 56 (sequence 62)
- Language
- German
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56 in früher Jugend vertiefte, war Arzt am Hofe des Sultans Saladin. Wie Mendelssohn für seine Zeit, so zeugt der große Lehrer desselben für die seinige. Außer dem „Führer der Verirrten" und andern Schriften in hebräischer und arabischer Sprache, verfaßte er auch ein Werk über das ganze talmudische Gesetz, das noch heutigen Tages bei allen Männern dieses Faches, auch bei denen, die ganz der herkömmlichen Richtung folgen, ein besonders hohes Ansehen genießt. In diesem Werke findet sich (nach einer ältern, nicht mehr genau nachzuweisenden Quelle) der Satz: „Die Frommen aller Religionen gelangen zur ewigen Seligkeit". (Buße III, 5.) Als man bei Maimonides anfragte, ob die Muhamedaner (der Kaaba wegen) als Götzendiener §it betrachten seien, sprach er seinen größten Unwillen über eine solche Aeußerung aus. „Diese Jsmaeliten," antwortete er, „sind durchaus keine Götzendiener. Jede Spur des Götzendienstes ist aus ihrem Herzen und ihrem Bekenntnisse verschwunden; sie bekennen die vollkommenste Einheit Gottes in ihrer ganzen Wahrheit. Wenn sie auch uns verlästern, so dürfen wir ihnen nicht damit vergelten, daß wir auch Verleumdungen über sie aussprechen. Der Ueberrest Israels soll kein Unrecht thun und keine Lügen reden*). Sollte auch ihr' jetziges Gotteshaus einst ein Götzentempel gewesen sein und wäre auch ein Götze in demselben verborgen, dem einst ihre Väter dienten, so würde dies die Sache nicht ändern, da diejenigen, die sich jetzt dort niederwerfen, ihre Herzen zu Gott wenden und Alles auf die Gedanken und die Absicht des Menschen ankommt"**). Mendelssohn urtheilte über Lessings „Nathan," daß er dem Christenthume zur Ehre gereiche. Ebenso äußerte er (in dem Briefe gegen Michaelis), daß man das Christenthum herabwürdige, wenn man es damit stützen wolle, daß man dm Juden die Fähigkeit zum Guten abspreche. Er hat damit das tiefere und positive Princip der Gewissensfreiheit angedeutet. Um ihrer eigenen Ehre willen, um das Höchste und Heiligste, was Menschen fühlen können, nicht zu entweihen, in welcher Form es auch seinen Ausdruck *) Nach Zeph. 3, 13. **)Hebr. Briefe des Maimonides u. A. S. 44 der Amsterdamer Ausgabe.