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Einladungsschrift zu der öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde · 1867-01-01 · 1867 · p. Seite 53

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Journal
Einladungsschrift zu der öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
Volume
1867
Date
1867-01-01
Page
Seite 53 (sequence 59)
Language
German
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53 nicht meiner Ehre vorzöge, und nicht lieber eben bei diesem, als bei dem erstern verlieren wollte." Er vertheidigte zunächst die Dichtung als solche, und zwar hauptsächlich damit, daß er nachzuweisen suchte, wie er den Charakter des Reisenden wahrscheinlich gemacht habe, indem er ihn in solche Umstände versetzte, welche die gewöhnlichen Folgen der Unterdrückung beinahe ganz aufheben. Dabei sprach er das schöne Wort aus: „Besteht man darauf, daß Reichthum, bessere Erfahrung, und ein aufgeklärter Verstand nur bei einem Juden keine Wirkung haben könnten: so muß ich sagen, daß dieses eben das Vorurtheil ist, welches ich durch mein Lustspiel zu schwächen gesucht habe; ein Vorurtheil, das nur aus Stolz oder Haß fließen kann, und die Juden nicht blos zu rohen Menschen macht, sondern sie in der That weit unter die Menschheit setzt." Er wies auch darauf Hin, daß es seine Aufgabe war, eine Ausnahme zu schildern, und bemerkte: „Ich sage es gerade heraus: noch alsdann, wenn mein Reisender ein Christ wäre, würde sein Charakter sehr selten sein, und wenn das Seltene blos das Unwahrscheinliche ausmacht, auch sehr unwahrscheinlich."- Nachdem er so bereits auf den Punkt gekommen war, der ihm der wichtigste war, ließ er einen Juden, der nicht blos ein Geschöpf der Phantasie war, aus seiner Verborgenheit hervortreten und dem Manne antworten, der seine Fähigkeit zur sittlichen Bildung bezweifelt hatte, einen Juden aus dem wirklichen Leben, der den Juden in der Dichtung weit übertraf. Diesen Juden führte Lessing mit den Worten ein: „Ich will lieber hier einen Andern reden lassen, dem dieser Umstand näher an das Herz gehen muß; einen aus dieser Nation selbst. Ich kenne ihn zu wohl, als daß ich ihn: hier das Zeugniß eines eben so witzigen (geistreichen), als gelehrten und rechtschaffenen Mannes versagen könnte. Folgenden Brief hat er bei Gelegenheit der Göttingischen Erinnerung an einen Freund in seinem Volke, der ihm an guten Eigenschaften völlig gleich ist, geschrieben." Der Jude, dessen Brief Lessing mittheilte, war Moses Mendelssohn, der zwar seinen Namen nicht nannte, aber wenige Jahre nachher schon in weilen Kreisen bekannt war und allgemein geehrt wurde. Der Freund, an den er schrieb, war vr. Gumperz.

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