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Einladungsschrift zu der öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde · 1867-01-01 · 1867 · p. Seite 50

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Journal
Einladungsschrift zu der öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
Volume
1867
Date
1867-01-01
Page
Seite 50 (sequence 56)
Language
German
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50 verschlossen hatten; er sollte in dem Gegner den Menschen suchen und sich ihm als ebenbürtig zu erkennen geben. Mendelssohn trug seinen Bart, an dem man sogleich den Juden erkannte. Andere aber mochten, wie der Reisende in dem Stücke, in gewissen Fällen ihre Religion verheimlichen, um sich nicht im Voraus der falschen Beurtheilung auszusetzen; ein Bestreben, das zu manchen unwürdigen Erscheinungen führte. Welchen Beifall hätte Lessing ernten können, wenn er ein solches Zerrbild auf die Bühne gebracht hätte! In seinen Augen wäre dies ein Frevel gewesen. Er schilderte einen edlen Juden, der anfangs — freilich schlecht genug *) — seine Religion verbirgt, um das Vorurtheil gegen seine Glaubensgenossen desto eher überwinden zu können. Den Feind durch Edelmuth zu besiegen, das entsprach ganz dem großartigen Charakter Lessings, das war ihm, wie er sich in einem Briefe an den Vater äußerte (30. Mai 1749, XII, 13), „eins der vornehmsten Gebote des Christenthums." — „Zu aller Vergeltung — erklärt der Jude in dem Lustspiele dem Manne, der ihm seinen Dank bezeigen will — bitte ich nichts, als daß Sie künftig von meinen Brüdern etwas gelinder und weniger allgemein urtheilen. Ich habe mich nicht vor Ihnen verborgen, weil ich mich nreiner Religion schäme. Nein! ich sah aber, daß Sie Neigung zu mir, und Abneigung gegen mein Geschlecht hatten. Und die Freundschaft eines Menschen, er sei wer er wolle, ist mir allezeit unschätzbar gewesen**)." Um zu ermessen, wie weit Lessing seinen Zeitgenossen vorangeeilt ist, muß man das Urtheil lesen, das ein wohlwollender Kritiker wie I. D. Michaelis über das Lustspiel: „die Juden" fällte. Dieser bemerkte in den Göttinger gelehrten Anzeigen: „Der *) In dem Charakter des Reisenden sollte alles Unwürdige dadurch vermieden werden, daß er seine Religion blos verschweigt. Damit man nicht sagen könne, er sei kein Jude, ließ ihn Lessing auch das Ceremonialgesetz beobachten (die vorkommenden Verstöße gegen dasselbe sind der ungenügenden Kenntniß des Dichters zuzuschreiben) und in Gegenwart des Bedienten allerlei Gebräuche üben, die eigentlich seine Religion hinreichend zu erkennen gaben. **) So lauten die Worte in der ersten Ausgabe (Lachman-Maltzahn'sche Ausg. I, 383).

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