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Einladungsschrift zu der öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde · 1867-01-01 · 1867 · p. Seite 22

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Journal
Einladungsschrift zu der öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
Volume
1867
Date
1867-01-01
Page
Seite 22 (sequence 28)
Language
German
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IRI
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22 Seine Erscheinung ist eine so außergewöhnliche, daß sic sich zunächst nur durch einen ganz außerordentlichen Bildungstrieb erklären läßt. Trotz der seltnen Aneignungsfähigkeit, die ihn auszeichnete, hätte er aber doch nicht emporkommen können, wenn er nicht schon in dem engen Raume, in dem er herangewachsen ist, edle Nahrungssäfte in sich ausgenommen und eine entsprechende Pflege gefunden hätte. Zwei gute Geister, die jedes Kind bewahren müssen, standen schon an seiner Wiege in dem elterlichen Hause zu Dessau, sie pflegten und nährten ihn unsichtbar und umschwebten ihn auch im spätern Leben. Es war der Geist der innigsten Pietät und der Geist der aufopferndsten Liebe, die auch in dem ärmsten jüdischen Hause nicht fehlten. Man weiß wie schwer der mittelalterliche Druck noch bis weit in die zweite Hälfte des vorigen Jahrhunderts hinein auf den deutschen Juden lastete. Ebenso kennt man die damit zusammenhängenden Schattenseiten ihrer innern Zustände. Doch fehlten auch die Lichtseiten nicht. Die dichterischen Schilderungen, die man von dem in die engsten Gränzen eingezwängten jüdischen Kleinleben gegeben hat, beruhen auf geschichtlicher Wahrheit. Die Erhaltung der Juden und des Judenthums wäre unbegreiflich, wenn man nicht anerkennen wollte, daß sie durch geistige und sittliche Kräfte bewirkt wurde. Man glaubt dieses Räthsel der Geschichte hinreichend erklären zu können, wenn man von einer besonderen Zähigkeit und Ausdauer spricht, deren es allerdings bedurfte, um so viele Widerwärtigkeiten zu ertragen. Allein die Sitte — den Namen seines Vaters (Mendel) in denselben eingeschlossen hat. Die deutschen Juden führten damals, wie sie keine bürgerlichen und kaum noch persönliche Rechte besaßen, in der Regel keine gesetzlich anerkannten Zunamen, sondern wurden bei religiösen Zwecken mit ihrem in der Familie fortgeerbten Vornamen in Verbindung mit dem des Vaters benannt, während sie im gewöhnlichen Leben allenfalls noch mit einem durch irgend einen zufälligen Umstand (Heimathsort, Beschäftigung rc.) entstandenen Beinamen bezeichnet wurden. Als später die Behörden sie nöthigten, deutsche Zunamen anzunehmen, so war dies schon ein Schritt zu ihrer Gleichstellung und wurde von Einzelnen als religionswidrige Neuerung betrachtet. — Mendelssohns Freunde nannten ihn bekanntlich nur Moses. Bei den Juden hieß er Moses Dessau, wie er sich auch in hebräisch-deutschen Briefen Unterzeichnete. Daher die Chiffer D., deren er sich in den Literaturbriefen sehr oft bediente.

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