Einladungsschrift zu der öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Volume
- 1867
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 26)
- Language
- German
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20 schienen die beiden ersten Bände von Lessings Schriften, der nun schon die Anerkennung als einer der besten deutschen Schriftsteller erlangte und durch seine siegreiche Polemik gegen Lange die Gegner zum Schweigen brachte. Mylius, mit dem er bisher noch immer in Verbindung gestanden hatte, verließ Berlin am 28. Februar 1753 und starb bald nachher (6. März 1754). Lessing gab die Schriften des allerdings begabten, aber durch den Mangel an sittlicher Haltung zu Grunde gegangenen Freundes heraus und sagte sich dabei öffentlich von der Richtung desselben los. Dieses war ungefähr die Zeit, wo er Mendelssohn kennen lernte, der inzwischen einen ganz entgegengesetzten Bildungsgang zurückgelegt hatte. Lessing hatte auf seinem Wege seinen eigentlichen Berus gefunden. Er war Schriftsteller geworden, Schriftsteller in der höchsten Bedeutung des Wortes. Indem er die Wissenschaft und das Leben zugleich umfaßte, indem er sich seinem Berufe, den er — wie Danzel bemerkt — in dem damaligen Deutschland zuerst wieder als einen selbstständigen betrachtete, mit aller Kraft widmete und seine ganze Individualität in ihn aufgehen ließ, hat er denselben, ähnlich wie Klopstock den Dichternamen, zu Ehren gebracht, mußte er ihm aber auch sein äußeres Lebensglück opfern. Nichts desto weniger hat er den frohen Jugendmuth, jene edle Sorglosigkeit, mit der er den Vortheilen einer herkömmlichen Berufsart entsagte, beinahe ununterbrochen, wenigstens in seinen Schriften bewahrt, so daß über dieselben, selbst über diejenigen, die er zur Zeit der schwersten Kämpfe verfaßte, ja über diese gerade am meisten eine unvergleichliche geistige Heiterkeit ausgegossen ist. Fest in der Vergangenheit wurzelnd, fühlte er in sich die volle Triebkraft des reichen Geistes, mit dessen Entfaltung die neue Zeit beginnt. In der Vorahnung des nahen Todes, am 19. December 1780, in seinem letzten Briefe an Mendelssohn, erinnerte er diesen an die „frühem bessern Tage" ihres jugendlichen Strebens und brach seufzend in die Worte aus: „Auch ich war damals ein gesundes schlankes Bäumchen; und ich bin itzt ein so fauler knorrichter Stamm! Ach, lieber Freund! diese Scene ist aus! Gern möchte ich Sie freilich noch einmal sprechen!" Wenn wir diese Aeußerung, wie iiberhaupt die Briefe aus der Wolfenbüttler Leidenszeit nur mit