Einladungsschrift zu der öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Volume
- 1867
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 25)
- Language
- German
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19 fallen lassen, erzittern die Stützen der bekanntesten Wahrheiten, und was man ganz nahe vor sich zu sehen glaubte, verliert sich in eine ungewisse Ferne.-Gesetzt auch, ein solcher Wellweiser wagt es Meinungen zu bestreiten, die wir geheiligt haben. Der Schade ist klein. Seine Träume oder Wahrheiten, wie man sie nennen will, werden der Gesellschaft eben so wenig Schaden thun, als vielen Schaden ihr diejenigen thun, welche die Denkungsart aller Menschen unter das Joch der ihrigen bringen wollen. Wenn man einer Art von Schriftstellern das Handwerk legen will, so sei es diejenige, welche uns das Laster angenehm macht." Mit letztern Worten nahm er aber den Uebergang, um eine auch von Voltaire, Diderot u. A. getadelte, sittenlose Schrift Lamettrie's, der Vorleser des Königs und Mitglied der Akademie war, mit aller Schärfe zu geißeln. Er wies ihm ein Plagiat aus einem an sich unverfänglichen Gedichte Hallers nach, das er in seiner Weise paraphrasirt hatte, und schloß mit den Worten: „Da er (Lamettrie) in der Zueignungsschrift seines Werkes der Mensch eine Maschine sich die Gedichte dieses Mannes (Hallers) gelesen zu haben rühmte, so hat er vielleicht jetzo dadurch, daß er sie ausgeschrieben, beweisen wollen, daß er sie wirklich gelesen habe, woran man damals zweifeln konnte, weil die französische Uebersetzung noch nicht heraus war. Doch er glaubt wohl gar sein Original verschönert und uns eine Probe gegeben zu haben, wie sehr ein deutsches Gedicht umgescholzen werden müsse, wenn es im Französischen nur erträglich sein solle? So gut es auch wäre, wenn die witzigen Schriften der Deutschen bei den Franzosen bekannter würden, so wenig wollten wir wünschen, daß es durch diesen Weg geschehen möge. Sie würden offenbar mehr dabei verlieren als gewinnen". (Das. S. 236.) Lessing verließ Berlin im December 1751, um in Wittenberg nochmals die ernstern Studien aufzunehmen. Durch eine Unachtsamkeit, die er sich bei seiner Abreise zu Schulden kommen ließ, gerieth er in Consiict mit Voltaire, mit dem er persönlich näher bekannt geworden war. Nachdem er die Magisterwürde erlangt hatte, kehrte er im November 1752 nach Berlin zurück, wenige Monate bevor Voltaire, der durch eine unlautere Handlungsweise bereits Anstoß und Aergerniß erregt hatte, entlassen und dann in Frankfurt a. M. verhaftet wurde. Im folgenden Jahre er- 2*