Einladungsschrift zu der öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Volume
- 1867
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 23)
- Language
- German
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17 sog. anakreontischen Dichter, mochten sie auch in ihrem Privatcharakter von strenger« Grundsätzen geleitet werden, sich doch in jede Art der heitern Lebensanschauung versetzen zu müssen, um die naturgemäße Empfindung, die erst wieder in ihr Recht einzusetzen war, vollkommen auszudrücken. (Schr. III, 268, Vorr. v.1753.) Konnte dieses auch nicht den innern Kern des Mannes berühren, der fähig war, selbstbewußt auch ein gefährliches Spiel zu wagen, um nur die lebendige Geisteskraft allseitig zu üben und zu äußern, so war er doch in den Tagen des ersten jugendlichen Dranges nahe daran, das Gleichgewicht zu verlieren und vielleicht in einen Strudel zu gerathen, der ihn mit sich fortgerissen hätte. Der gute Geist des Pfarrhauses zu Camenz war aber in ihm mächtig genug, um ihn davor zu bewahren. Eben als er sich des glücklichen Erfolges freute, den er durch sein Lustspiel erreicht hatte, wurde er von dem durch allerlei Gerüchte beunruhigten Vater nach Hause gerufen. Mit naivem kmdlichen Sinne trat er in die heimische Umgebung, verscheuchte durch ferne Gegenwart die Besorgnifie der Eltern und verständigte sich mit ihnen vorläufig über den künftigen Lebensplan, von dem das geistliche Amt ausgeschlossen wurde. Nach einer dreimonatlichen Abwesenheit kehrte er Ostern 1748 wieder nach Leipzig zurück, entschloß sich aber schon im nächsten Sommer, feinem Freunde Mylius, der sich nach Berlin begeben hatte, dorthin zu folgen, nur den inzwischen eingetretenen Geldverlegenheiten zu entgeherr. Durch Krankheit in Wittenberg zurückgehalten, wollte er nachher seine Studien dort fortsetzen, wurde aber auch daran verhindert und führte dann seinen ersten Entschluß aus. Zu Ende des Jahres kam er nach Berlin, wo er seine eigentliche schriftstellerische Laufbahn begann und bald eine vielseitige Thütigkeit entfaltete, die schon den Keim seiner künftigen Größe zeigt. Im Gegensätze zu seinen glücklichen Jugendjahren hatte er von nun an — einzelne Lichtblicke abgerechnet — fortwährend mit äußerer Noth oder mindestens mit widrigen Verhältnissen zu kämpfen, die ihm selten die ersehnte ungestörte Ruhe zu seinen Arbeiten vergönnten. Um sich nur eine bessere Kleidung anschaffen zu können, mußte er anfangs noch die Unterstützung der Eltern in Anspruch nehmen (Schr. XII, 7. 8. 10), die damals bereits seines Beistandes bea