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Einladungsschrift zu der öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde · 1867-01-01 · 1867 · p. Seite 15

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Journal
Einladungsschrift zu der öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
Volume
1867
Date
1867-01-01
Page
Seite 15 (sequence 21)
Language
German
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IRI
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Gottsched, der einst allmächtige Kunstrichter, und Lessing konnte das Treiben desselben, dem er selbst später mit unerbittlicher Schärfe entgegentrat, aus unmittelbarer Nähe kennen lernen. Dort hatte sich schon 1745 ein neuer Kreis gebildet, der sich von dem Einflüsse des von den Schweizern bekämpften Mannes unabhängig machte. Strebende junge Männer, wie Adolph Schlegel, Cramer, Zachariä, Gellert u. A. vereinigten sich zu einem Bunde, desien Seele später Klopstock wurde, und gründeten eine eigene Zeitschrift (die sogenannten Bremer Beiträge). Wie Lessing, besonders durch Kästner, mit einigen dieser Dichter in nähere Berührung kam, so wurde er auch durch ihr Beispiel, namentlich aber durch das seiner Freunde Weiße und Mylius, bald zur poetischen Production angeregt, deren Anfänge in. seine Schulzeit hinanfreichen. Er selbst sagte später von der Universität zu Leipzig, daß inan dort „beinahe nichts so zeitig lerne, als ein Schriftsteller zu werden. "(Schr.IV, 445.) In der reichen, von merkantilischen und wissenschaftlicheil Interessen gleich sehr bewegten Stadt, an dem Hauptsitze des deutschen Buchhandels und des allgeiileinen conlinerziellen Verkehrs konnte er, wie er sich in einem ' Briefe an seine Mutter ausdriickte (20. Jan. 1749, Schr. XII, 4), „die ganze Welt im Kleineil sehen", mußte er bemerken, daß ihn „die Bücher wohl gelehrt, aber nimmermehr zu einem Menschen inachen" würden, und eignete er sich bald die bisher vernachläßigte äußere Bilduilg an. Gerade damals stand auch Friederike Neuber, mit der die deutsche Schauspielkunst der Neuzeit beginnt, noch eimilal an der Spitze eines Theaters zu Leipzig, das den künftigen Dramatiker und Drainaturgen unwiderstehlich anzog. Hier erlangte er die praktische Kenntniß des Bühnenwesens und wurde er zur Ausarbeitung seines ersten dramatischen Versuches angeregt. In der That wurde dort das Lustspiel: „Der junge Gelehrte", das er schon in Meißen entworfen hatte, im Januar 1748 aufgeführt. Der neunzehnjährige Jüngling trat mit seiner Dichtung unmittelbar vor das größere Publikum und lernte den Zauber des allgemeinen Beifalls kennen, der ihn zum Weiterschreiten auf der betretenen Bahn aneifern mußte. Der im Wachsthume begriffene Mensch affimilirt sich, wie physisch, so auch geistig, die ihm dargebotenen Nahrungsstoffe. Bei genialen Geistern pflegt dieser innere Bildungsproceß, zumal

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