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Einladungsschrift zu der öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde · 1867-01-01 · 1867 · p. Seite 14

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Journal
Einladungsschrift zu der öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
Volume
1867
Date
1867-01-01
Page
Seite 14 (sequence 20)
Language
German
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14 Meißen, deren ganze Einrichtung darauf angelegt war, gründliche, methodisch geschulte Gelehrte, besonders Theologen heranzubilden, aber doch der freien Selbstthätigkeit der Zöglinge einen größeren Spielraum ließ. Von fester und sicherer Hand geleitet, durcheilte er die wohl geebnete Bahn. Auch die Werke der neuen deutschen Dichter drangen bereits in die klösterlich abgeschlossene Anstalt und kamen in die Hände des heranreifenden Jünglings*). Im Alter von siebzehn Jahren war er der Schule bereits geistig entwachsen. Der Rector derselben urtheilte über ihn in einem Briese an den Vater: „Die Lectionen, die Andern zit schwer werden, sind ihm kinderleicht; wir können ihn fast nicht tnehr brauchen." Nachdem er am 9. Juni 1746 entlassen worden, bezog er im September dieses Jahres die Universität zu Leipzig, wo er mitten in die geistigen Bestrebungen der Zeit versetzt wurde und zwar nicht, wie der Vater voraussetzte, den eigentlichen theologischen Fachstudien oblag, aber sich für seinen allgemeinen Beruf als Forscher, Dichter und Kritiker, überhaupt als Begründer der neuen deutschen Nationalliteratur bildete. An dieser Universität lehrten Ernesti und Christ **) die Alterthumswissenschaften in einem neiten Geiste, den Lessing in sich ausnehmen mußte, wenn er an der Regeneration derselben Mitarbeiten sollte. Hier kam er mit dent Mathematiker und Philosophen Kästner, der später als Epigratnmendichter berühmt wurde, in nähere Beziehung. Indem er an den philosophischen Unterredungen, die derselbe nüt einerkleinen Zahl junger Männer zu halten pflegte, lebhaften Antheil nahm, wurde er nicht blos mit der herrschenden Wolffischen Philosophie vertraut, sonderrr übte auch seinen Scharfsinn und entwickelte die polemische Kraft, die ihn schon wenige Jahre nachher seinen Gegnern so furchtbar machte. In Leipzig residirte *) Daß der Mathematiker Klimm, an den Lessing sich näher anschloß und der allerdings großen Einfluß auf seine freie Entwickelung übte, ihn in die neue deutsche Literatur eingeführt habe (Danzel a. a. O. I, 42), beruht auf bloser Vermuthung. **) Danzel (a. a. O. S. 66—79) hat nachgewiesen, daß Lesstng in nahem Zusammenhänge mit Christ steht, der auch in der Art der Polemik an denselben erinnert.

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