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Einladungsschrift zu der öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde · 1867-01-01 · 1867 · p. Seite 11

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Journal
Einladungsschrift zu der öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
Volume
1867
Date
1867-01-01
Page
Seite 11 (sequence 17)
Language
German
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IRI
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11 Die Freundschaft, die sie damals schloffen, blieb ungeschwächt, bis der frühzeitige Tod Lessings sie trennte, dem wenige Jahre nachher auch Mendelssohn folgte, unmittelbar nachdem er noch seine letzte Kraft zusammengenommen hatte, um einige Worte, die er der Ehre des abgeschiedenen Freundes schuldig zu feilt glaubte, an die Oeffentlichkeit zu richten. Will man diese Freundschaft nach ihrer ganzen persönlichen und geschichtlichen Bedeutung würdigen, so muß man sich die Lebenskreise vergegenwärtigen, aus denen die beiden Männer hervorgingen. Sie waren in demselben Jahre geboren; Lessing am 22. Januar und Mendelssohn am 6. September 1729. Wer hätte aber gedacht, daß sie sich je finden und gemeinsam an dem Werke der geistigen Befreiung arbeiten würden? Wie verschieden waren die ersten Eindrücke und Ueberlieferungen, die sie im elterlichen Hause empfingen! Wie verschieden die Wege und Elemente ihrer Bildung! Als die Kinder zweier Welten, die durch gesetzliche, religiöse und sociale Schranken für immer von einander abgeschlossen schienen, wuchsen sie unter völlig entgegengesetzten Bedingungen heran. Die Aussichten und Ziele, die sich dem Sohne des protestantischen Geistlichen zu Camenz von selbst eröffneten, hatten nichts mit denen gemein, die dem Sohne des jüdischen Elementarlehrers und Gesetzrollenschreibers zu Dessau vorschweben konnten. Der den Freund bald nach dessen Ankunft in Berlin kennen gelernt, und daß dabei nur die angedeutete Verwechselung stattgefunden hätte, so möchten wir die erste Bekanntschaft in den Anfang des Jahres 1753 setzen. Nicolai konnte hierin um so leichter irren, da er Mendelssohn erst 1755 kennen lernte. (M. Mendelssohns Lebensgeschichte, Schr. I, 13.) — Aus der etwas förmlichen Anrede an der Spitze des Briefes, den Mendelssohn am 17. Febr. 1755 an Lessing richtete, läßt sich nicht (wie Kayserling, S. 40 seiner Biographie Mendelssohns annimmt) der Schluß ziehen, daß sie damals noch nicht näher mit einander befreundet waren. Um sich vom Gegentheile zu überzeugen, braucht man nur den Brief selbst zu lesen, da Lessing in demselben allerdings als Freund angeredet wird und Mendelssohn sich ebenso unterzeichnet. Ueberdics hatten sie damals schon die Schrift: „Pope ein Metaphysiker!" gemeinschaftlich verfaßt. (Lessings Schr. XII, 28.) Der erwähnte Brief war der erste, den Mendelssohn an Lessing schrieb. Dieser beseitigte in seiner Antwort vom nächsten Tage jede Förmlichkeit, und Mendelssohn, der in solchen Dingen nie den ersten Schritt that, folgte dann seinem Beispiele.

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