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Einladungsschrift zu der öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde · 1867-01-01 · 1867 · p. Seite 8

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Journal
Einladungsschrift zu der öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
Volume
1867
Date
1867-01-01
Page
Seite 8 (sequence 14)
Language
German
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IRI
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8 Männer sind es, die durch ihre rücksichtslose Kühnheit den geistigen Fortschritt fördern, die reinigend und neubelebend wirken und — weil sie vor keinem Resultate zurückschrecken — die Menschheit vor Erstarrung bewahren. Es bleibt aber doch immer noch ein gewisser Rest, den sie nicht bewältigen konnten. Das unbefriedigte natürliche Gefühl der Menschen sagt ihnen, daß das letzte Wort noch nicht gesprochen sei, und eine spätere Zeit muß oft von den gewonnenen neuen Anschauungen aus die scheinbar abgeschlossene Verhandlung wieder aufnehmen, um dem Edelsten und Besten zu seinem Rechte zu verhelfen. Mendelssohn war eine durchaus ethische Natur. Sein ganzes Wesen, auch von der Seite seines klaren und scharfen Verstandes betrachtet, hat einen liefern sittlichen Grund, der sich zwar nicht überall bestimmt Nachweisen, aber deutlich genug fühlen läßt. Es ist das, was er als Thatsache des Bewußtseins festhielt und den natürlichen Menschenverstand nannte, an dem er die gewonnene Erkenntniß prüfte. Das Forschen nach Wahrheit war bei ihm eine sittliche That. Gerade hierin aber mußte Lessing am meisten mit ihm sympathisiren. In seinem genialen Geiste bekämpften sich zwar die beiden Gegensätze, das edelste Gefühl, das ihm so heilig war, daß er es kann: aussprechen mochte, sond'ern mit einer eigenthümlichen Verschämtheit meist nur andeutete, und der unbegränzte Forschersinn, dem nie etwas wahr oder heilig war, weil es allgemein dafür gehalten wurde; allein seine sittliche Natur erlangte die Herrschaft und gab ihm jene muthige Besonnenheit, jene schöne Männlichkeit, die ihn auszeichnet. Er wäre zu Grunde gegangen und hätte am allerwenigsten die künstlerische Vollendung erreicht, wenn nicht die höchste Kraft eines rein sittlichen Willens in ihm gesiegt und überall mäßigend und verschönend eingewirkt hätte. Der tiefethische Zug, der durch sein Leben wie durch seine Schriften geht, ist um so ansprechender, weil er sich harmonisch mit dem kühnsten Gedankenfluge vereint. Auch im heftigsten Kampfe verleugnete er seinen edlen Hochsinn nicht, und dieser ist es ja ganz besonders, der ihn — wie Schiller — zum Liebling des deutschen Volkes macht. Wenn Mendelssohn in dem oben angeführten Briefe äußerte, daß er sich den verstorbenen Freund stets als Richter vorgestellt habe und zu allen Zeiten als Richter vorstellen werde, so oft er

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