Einladungsschrift zu der öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Volume
- 1867
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 13)
- Language
- German
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7 Mendelssohn zur Prüfung vorzulegen und sich dessen Bemerkungen zu Nutze zu machen. So lebendig aber auch — namentlich in den ersten Jahren ihrer schriftstellerischen Thätigkeit — der geistige Verkehr der beiden Männer war, so würde man sich doch vergeblich bemühen, auch nur einen einzigen, wahrhaft schöpferischen neuen Gedanken nachzuweisen, den der große Reformator der deutschen Literatur und des deutschen Lebens von seinem redlich forschenden, stets festen und entschiedenen, aber keineswegs allzukühnen Freunde empfangen hätte. Selbst auf dem Gebiete des Judenthums, wo doch mit Mendelssohn eine ganz neue Zeit beginnt, hat dieser nicht durch großartige, wahrhaft positive Ideen gewirkt, die den lebendigen Keim der Fortentwickelung für spätere Generationen in sich getrageu hätten. Schon seine Schüler waren in Zweifel, wie sie es mit den von ihm vertretenen Grundsätzen Hallen sollten, sobald sie über die Verbreitung der allgemeinen Bildung unter den Juden, die er angebahnt hat, hinausgehen wollten. Die neuere jüdische Theologie hat, soweit sie dem Fortschritte huldigt, mit ihm gebrochen, obschon sich wichtige Grundlagen und Anknüpfungspunkte bei ihm finden, auf die man wohl wieder zurückkommen wird. Es ist ein ganz anderes, viel bescheideneres, aber um so schöneres Verdienst, durch das er seine geschichtliche Bedeutung erlangt hat. Er bietet das Beispiel einer unermeßlich großen Einwirkung, rein durch den Adel seiner Persönlichkeit. Eine ähnliche Wirksamkeit wird in der modernen Welt sich kaum Nachweisen lassen. Es gibt ethische Geistesarten, bei denen scheinbar die Verstandesseite vorherrschen kann, die aber auch bei ihrem Denken von einem äußerst zarten sittlichen Takte geleitet werden. Denn auch die Resultate des Denkens hängen, wie Göthe einmal bemerkt, mehr oder weniger von dem Charakter des Menschen ab. Männer, die — wie man wohl sagen kann — mit dem Herzen denken, werden die Dinge ganz anders betrachten, als diejenigen, die nur dem kalten Verstände folgen. Mögen diese auch zu einer schärfern objectiven Auffassung befähigt sein, so gelangen sie doch bei Fragen, die das Innere des Menschen betreffen, leicht zu einseitigen Urtheilen und nur halbwahren Ergebnissen. Solche