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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde · 1865-01-01 · 1865 · p. Seite 36

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Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
Volume
1865
Date
1865-01-01
Page
Seite 36 (sequence 40)
Language
German
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36 \ Natureis kleiden sich, wie wir schon nachzuweisen versuchten, mcht selten in das täuschende Gewand von Vorzügen, von dem das elterliche Auge sich natürlich nur zu gerne täuschen läßt. Warum sollten sie das früh und bald auch zusammenhängend und unbefangen sprechende Kind nicht für ein geistig vorgeschrittenes, den Knaben und das Mädchen, die auf allerlei Fragen eine Antwort bei der Hand haben, über allerlei Dinge und Verhältnisse ein sicheres, und in gewissen Grenzen wohl auch richtiges Urtheil aussprechen, nicht für klug und verständig halten? warum sollten sie sich nicht der Gewandtheit und Entschlossenheit freuen, mit der Erwachsnere sich in Gesellschaft zu benehmen und zu unterhalten, in den verschiedensten Lagen des Lebens sich zu helfen wissen? und warum nicht die praktische Tüchtigkeit bewundern, mit der sie frühzeitig sich eine bürgerliche Stellung zu bereiten verstehn? Frühreife und Frühfertigkeit ist wie gesagt die hervorstechendste Gefahr dieser Naturanlage und zugleich die Quelle der Täuschung über dieselbe. Nur das klare unbefangene Auge besonnener Eltern und Erzieher wird in der frühzeitigen Redelust und Redefertigkeit die beginnende Neigung zu gedankenloser Schwatzhaftigkeit, in der Schnelligkeit und Leichtigkeit des Urtheilens die seichte Oberflächlichkeit desselben, in der steten Fertigkeit seines Thuns, die Unbedachtsamkeit seines Handelns und die Unfertigkeit seines Wesens erkennen. — Und welchen Weg wird die Erziehung einschlagen, um diese Gefahren und Abirrungen des oberflächlichen Wesens abzuwenden, oder doch zu mildern? Man lehre vor Allem die redseligen Kinder schweigen, d. h. man uöthige sie zum Denken und zur Prüfung ihrer Gedanken bevor sie sprechen; man gestatte ihnen kein Urtheil über Dinge und Personen, die sich nicht im Kreise ihrer Anschauung und ihres Lebensalters befinden und führe sie dadurch zugleich zur rechten Würdigung des Werthes, der ihrem Urtheil beigelegt wird und zur Zurückhaltung desselben, wo es von ihnen nicht gefordert oder erwartet wird. Man trete ihrer unruhigen Geschäftigkeit durch Nöthigung zu vorübergehender Ruhe oder zu fortgesetzt anhaltender und genau vorgeschriebener. Arbeit gegenüber. Zu Beidem ist die Schule besonders geeignet und durch

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