Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1865
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 35 (sequence 39)
- Language
- German
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35 zur Selbstthätigkeit oder doch zur Selbstäußerung, verbunden mit der Beweglichkeit, die mehr dem Wechsel äußerer Einwirkungen, als innern Antrieben folgt. Es hat mit der Schwäche den häufigen Wechsel, die schnellen Uebergänge von Einem zum Andern gemein, unterscheidet sich aber von ihr dadurch, daß diese Beweglichkeit sich nicht sowohl in den Empfindungen und Stimmungen, als in einem nach außen gerichteten Thun darstellt. Wir haben in diesen Blättern die Erscheinungen geschildert, durch welche sich dieses Naturel in den verschiedenen Lebensaltern zu erkennen gibt. Es wird nicht schwer sein, auch die Fehler zu bezeichnen, die sich aus der ungehemmten und einseitigen Ausbildung desselben entwickeln. Die Eigenthümlichkeit seines Wesens besteht darin, daß jede äußere Einwirkung alsbald eine Gegenwirkung hervorruft, d. h. zu irgend einem Thun veranlaßt, zu dem wir auch natürlich das Sprechen rechnen müssen. Die Gefahr liegt also in dem schnellen Uebergange vom Empfinden zum Denken, vom Denken zum Urtheilen, vom Urtheilen zum Wollen und Begehren und von diesem zum Thun. Ehe Menschen von dieser Charakteranlage noch des äußern Eindrucks völlig Herr geworden, d. h. sich der entsprechenden Empfindung klar bewußt sind, sind sie schon mit dem Urtheile über die Sache, durch welche dieselbe hervorgebracht worden ist, fertig und bei der Hand und handeln sie auch schon nach Maßgabe dieses Urtheils und des daraus hervorgegangenen Wollens. Geschwätziges und unüberlegtes Reden, voreiliges und leichtfertiges Urtheilen, gedankenloses Begehren, unbedachtes, unvorsichtiges und unbesonnenes Handeln sind die nächsten und natürlichsten Folgen davon. Aber bei dem schnellen Wechsel der Antriebe und der Uebergänge fehlt diesem Thun nothweudig auch die Beharrlichkeit und Ausdauer, diesem Denken und Sprechen die Gründlichkeit, diesem Empfinden der Ernst und die ‘ Tiefe und allen diesen Lebensäußernngen die Fähigkeit der eignen Würdigung und Prüfung, deren Mangel die natürliche Quelle dieser Selbstüberschätzung ist. Die Erziehung wird aber nicht nur allen diesen Verirrungen, sobald sie hervortreten, in entsprechender Weise entgegen zu wirken haben, sondern vor Allem bemüht sein müssen, diese Erscheinungen zu erkennen und richtig zu würdigen. Denn die Fehler dieses 3*