Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1864
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 35 (sequence 39)
- Language
- German
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35 sorgsam zu überwachen, daß er, besonders auf diesem Gebie seiner Wirksamkeit, nur als Hüter des Gesetzes erscheine und gegen Alle gleichmessende Gerechtigkeit übe. Auch die Strafe für die Uebertretung des Gesetzes muß als der Ausfluß und die nothwendig eintretende Wirkung desselben erscheinen, wenn sie willig getragen werden soll. Es wird dagegen dieses Disziplinargesetz seine erziehliche Wirkung gänzlich verfehlen, wenn es den Anschein gewinnt, daß es nur tyrannischer oder pedantischer Willkühr seinen Ursprung verdanke, daß es mehr der Bequemlichkeit des Lehrers, als dem Interesse des Unterrichts zu dienen bestimmt sei und daß die Art und Weise seiner Anwendung nur von dem Belieben und der Laune des Lehrers abhänge. Es wird daher in größeren Schulen auch noch darauf besonders zu achten sein, daß bei den verschiedenen Lehrern das Gesetz und dessen Handhabung in möglichster Uebereinstimmung seien. Die größte Schwierigkeit, die auch für die erziehliche Wirksamkeit der Schule aus bem scheinbaren Gegensatz der gleichartigen Masse und der verschiedenen Individuen erwächst, ist das Treffen und Festhalten des rechten Tons, den der Lehrer einerseits der ganzen Klasse und andrerseits den Einzelnen gegenüber anzuschlagen hat. Wie der geistige Ton des Unterrichts für jede Unterrichtsstufe seine entsprechende Höhe haben muß, welche der geistigen Gesammtentwickelung der Klasse entspricht, so muß auch der sittliche Ton — die Haltung des Lehrers in Betreff der Disziplin — ihr Maaß nach der sittlichen Gesammtentwickelung der Klasse nehmen. Wie aber der Klassenunterricht die größere oder geringere Begabung und die sonstige geistige Individualität der Einzelnen nicht unbeachtet lassen darf, so muß auch die erziehliche Behandlung der verschiedenen sittlichen Individualitäten nothwendig eine verschiedene sein, wenn sie ihre Wirkung nicht verfehlen soll. — Keine Schablonen-Crziehung auch in der Schule! — Wenn Erziehung die Aufgabe ist, die Naturanlage des Menschen zu möglichst gesunder und kräftiger Selbst-Entwickelung zu leiten, so hat die Schule und der Lehrer diese Aufgabe an jedem Zögling in seiner Weise und nach seiner Natur zu lösen. Dazu bedarf es aber nicht nur des sichern Blicks zur Auffassung der 3*