Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1864
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 25)
- Language
- German
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~~ 21 tit den Vordergrund gestellt haben, so wollten wir damit keines- Weges behaupten, daß selbst für den Begabtesten die vertraute Bekanntschaft mit den Lehren und Vorschriften dieser in neuerer Zeit so erfreulich sich entwickelnden Wisfenschaft oder Kunst und die fortgesetzte Uebung in der praktischen Anwendung jener Vorschriften unnöthig oder unwesentlich wäre. Denn die Wissenschaft der Methodik ist ja nichts anderes, als das Gesammtresultat der Erfahrungeil und Beobachtungen, welche Lehrer von innerem Beruf und von hervorragender Begabung, Männer, welche die Aufgabe des Lehramtes nach allen Richtungen zu würdigen, das kindliche Gemüth und seine Geistesentwickelung voll und ganz zu begreifen vermochten, über die geeignetsten Mittel und Wege gemacht haben, zu den von uns näher bezeichnten Resultaten auf allen Stufen und Gebieten der Lehrthätigkeit zu gelangen. Es würde daher nur das Zeugniß verwerflicher Selbstüberhebung sein, wenn ein Lehrer die Rücksichtsnahme auf diese großen Errungenschaften des Geistes und der Erfahrung für unser Berufsgebiet entbehren zu können glaubte. Aber wir möchten andrerseits auch die Ueberzeugung aussprechen, daß die gründlichste Kenntniß der Methodik und die fleißigste Uebung ihrer Vorschriften noch nicht ben tüchtigen Lehrer macht, wenn diese Kenntniß und Fertigkeit nicht von jenen geistigen und, ich muß hinzufügen, sittlichen Fähigkeiten belebt und getragen wird, welche kein Lehrer für die würdige und erfolgreiche Uebung seines Berufs entbehren kann. — Es ist nicht die Schuld der Seminarien, sondern eines unglücklich gewählten Berufs ihrer Zöglinge, wenn selbst von den trefflichsten Bildungsstätten der Art eine große Zahl von Lehrern allsgeht, die in den Lehrformcln der Methodik Alles zu besitzen glauben, lvas sie für ihre Lehrthätigkeit bedürfen, und ohne selbstthätige Beobachtung, ohne Würdigung der Verhältnisse, innerhalb deren sie wirken, über die kunstfertige Uebung eines methodischen Mechanismus niemals hinauskommen und daher zu einer lebendig fruchtbaren Wirksamkeit niemals gelangen können. —