Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1864
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 23)
- Language
- German
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19 Gebiet führt. Ein Andrer wird in strengster Pflichterfüllung die Aufgabe feines Unterrichts nicht eher für gelöst halten, ehe er sich nicht überzeugt hat, daß alle feine Zöglinge sich denselben angeeignet haben. Er wird den Ton und das Maaß desselben daher nach den Schwächeren bestimmen. Aber er wird dadurch nicht nur die Hervorragenderen, sondern auch die große Zahl der Mittlern Geister in ihrer natürlichen Entwickelung zurückhalten. Ein Dritter wird sich vielleicht von den Leistungen, von den Antworten und Arbeiten seiner begabteren Schüler, die sich von selbst mehr in seinen Gesichtskreis drängen, täuschen und irresühren lassen, und im Ton seines Unterrichts zu hoch, im Ziel desselben zu weit greifen; und wenn er dasselbe erreicht zu haben glaubt, erkennen, oder auch nicht erkennen, daß die große Mehrzahl seiner Schüler dem Unterricht nur halb oder nur mechanisch und viele gar nicht gefolgt sind, und daß er in ihre geistige Entwickelung Verwirrung und Zerrüttung gebracht hat, indem ihnen statt eines stetigen Fortschrittes ein unsicheres Springen aufgenöthigt wurde. Ein Vierter wird sich gar nicht zur Gemeinsamkeit des Unterrichts für die Klasse erheben, sondern, weil er in derselben nur eine Anzahl verschiedener Individuen sieht, seine Lehrthätigkeit in der Weise zersplittern, daß er sich der Reihe nach mit jedem Einzelnen beschäftigt, ihm den Lehrstoff mitzutheilen und zu erklären, seine Schwächen zu heben und seine Mängel zu beseitigen, oder sein Streben zu fördern und seinen Wissensdrang zu befriedigen sucht. Er löst eben den Klassenunterricht in combinirten Privatunterricht aus, in dem er jedem Schüler einen kleinen Theil der für alle bestimmten Zeit zuwendet und sucht die übrige Zeit durch sogenannte Aufgaben auszusüllen, die eben nur Gegenstand häuslicher Thätigkeit und nicht der eigentlichen Unterrichtszeit sein sollten. Von einer einheitlichen Gesammtleistung und von einer stufenmäßigen Fortführung derselben für verschiedene Unterrichtsstufen kann dabei nicht die Rede sein. — Das sind die verschiedenen Verirrungen auf diesem Gebiet, die jedoch in der Regel nicht in ihrer Einseitigkeit, sondern in der mannigfachsten Combination und in verschiedener Schattirung der 2* *