Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1864
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 16)
- Language
- German
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12 wird der Schein der Wissenschaftlichkeit nur zur Aneignung halbverstandener Formeln und eines leeren Schematismus führen, der für den elementaren Unterricht nicht nur unfruchtbar, sondern verderblich ist. Endlich, und ich möchte diese letzte Anforderung an den Lehrer auf diesem Gebiet ganz besonders nachdrücklich betonen, muß das Wissen desselben ein lebendiges sein, d. h. es muß wie alles Lebendige, wenn es gesunde Frucht tragen soll, auch selbst in stetem Werden und Wachsen bleiben. Es gilt auf allen Gebieten, daß derjenige der fertig ist und irgendwie mit sich abgeschlossen hat, nicht nur stillsteht, sondern zurückgeht. Denn wie im Weltraum alle Bewegung eine relative ist, und derjenige Körper vor unfern Augen zurückgeht, an dem die andern vorübereilen, so und noch entschiedener ist es auf dem Gebiet des Geistes der Fall. Wer still steht geht zurück, weil die Welt, in die er gestellt ist, nicht stille steht, sondern ewig vorwärts schreitet. Je rascher im Allgemeinen die Bewegung der Geister oder der Wissenschaft ist, um so sichtbarer und schneller ist der Rückschritt dessen, der mit seinem Wissen abgeschlossen hat und stille sieht. Wenn wir an dem Fortschritt der Wissenschaft nicht ununterbrochen theilnehmen, wird unser Wissen dem fortgeschrittenen Bewußtsein der Zeit gegenüber nothwendigerweise zu einem unvollständigen und lückenhaften, unsre Ansicht zn einer irrigen, unsre Anschauung zu einer trügerischen. Der Lehrer muß aber mit seinem Wissen mehr als jeder Andre allezeit auf der Höhe der Gegenwart stehen, weil er der Bildner des werdenden Geschlechts für die Zukunft sein muß, die sich überall nicht aus den Anschauungen eurer bereits überwundenen Vergangenheit, sondern nur aus der lebendigen Gegenwart entwickeln kann. Das Wissen des Lehrers muß aber auch insbesondere deßhalb ein lebendiges, ein ununterbrochen werdendes und wachsendes sein, damit auch sein Wirken ein lebendiges, das aeistige Werden und Wissen seiner Zöglinge erzeugendes und förderndes sei. Der Lehrer, der mit seinem Wissen, mit seiner geistigen Entwickelung abgeschlossen hat, hat auch mit seiner Wirksamkeit abgeschlossen, d. h. es wird sein ferneres Wirken nicht mehr ein