Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1864
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 13)
- Language
- German
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- 9 dasjenige, was aus Büchern oder durch Unterricht erlernt wird, sondern auch auf Alles, was der Lebenskreis des Zöglings Wissenswerthes darbietet. — Der Lehrer muß das gesammte Lebensgebiet, innerhalb dessen sich seine Zöglinge bewegen, in lebendiger Anschauung und mit eingehendem Verständniß in sich ausgenommen haben, wenn er dieselben für den Eintritt in dieses Leben vorbcreiten, sie zum rechten Verständniß und zur gebührenden Würdigung desselben führen will. Der Dorfschullehrer, der mit den Erfordernissen des Ackerbaus und der Viehzucht, mit den häuslichen Einrichtungen einer Bauernfamilie und der Verfassung der Dorfgemeinde unbekannt wäre, der von den eigenthümlichen Sitten und Gebräuchen, von Recht und Herkommen, von den Legenden und Sagen seines Dorfes und der Umgegend nichts wüßte, der mit Feld und Wald, mit Berg und Thal ringsumher nicht genau vertraut wäre, könnte seine Schüler wohl in allerlei Dingen unterrichten, aber er wird nimmermehr die Aufgabe seines Berufs erfüllen können, stch znm Bildner der ihm anvertrauten Jugend für das Leben zu machen und damit an der Entwickelung und Fortbildung dieses Lebens in seinem Dorfe und in seiner Gemeinde den gebührenden Antheil zu gewinnen. Es muß daher als eine gänzliche Verkennung dessen angesehen werden, was der Lehrerberuf von seinen Jüngern fordert, wenn man in neuerer Zeit vielfach den Grundsatz verfolgt hat, den Zöglingen desselben in den Seminarien ein möglichst geringes und beschränktes Maaß des Wissens zu bieten, ja ihnen die Ausbreitung und Vertiefung desselben zu versagen und es auf dasjenige zu beschränken, was sie zu lehren haben. Und ebenso verkehrt ist es, sie während dieser Vorbereitungszeit möglichst abgeschlossen vom Leben zu halten, daß sie, als unerfahrene Fremdlinge auf dem Boden ihrer Wirksamkeit, in dieselbe eintreten. Denn gerade dadurch wird der Lehrer und die Schule niemals im Stande sein, auf dem Boden, auf dem sie stehen, feste Wurzel zu schlagen und in dem Kreise ihres Wirkens diejenige Würdigung zu gewinnen, deren sie zu einer gedeihlichen Wirksamkeit bedürfen. Wenn aber die allgemeine Bildung in dem Sinne und in dem