Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1863
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 40 (sequence 44)
- Language
- German
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40 Schrift wird dem Eindrücke des geschriebenen Wortes eben so sehr schaden, wie eine mißtönende, schreiende oder tonlose Stimme dem Eindruck des gesprochenen. Die Sicherheit und Festigkeit der Handschrift pflegt wohl nicht ganz mit Recht als das Bild gleicher Eigenschaften des Charakters zu gelten. Aber in der That wird sich in der Sorgfalt oder Sorglosigkeit, in der Gleichmäßigkeit oder Unregelmäßigkeit der Züge, in der Hastigkeit oder Ruhe, in der Zierlichkeit oder Kraft der Schrift Etwas von dem Charakter des Schreibenden ausprägen. Der Schreibunterricht hat daher etwas nicht nur ästhetisch, sondern auch sittlich Bildendes. Denn es soll derselbe den Schüler durch die Jahre eines strengen gesetzlichen Zwanges, den er sich bei der vorschriftsmäßigen Bildung der Schriftzüge auferlegen muß, endlich zu derjenigen Sicherheit der Selbstbeherrschung -führen, die ihn in den Stand setzt, das Gesetz mit Freiheit und mit bestimmter Ausprägung seiner Eigenthümlichkeit zu üben. Die Schule muß ihren Zögling auf diesem'Gebiet über das vorschriftsmäßige Schönschreiben hinaus zur Ausbildung einer festen und guten Handschrift führen, deren er auch im Schnellschreiben mit Sicherheit mächtig ist. Bedeutender und umfassender, wenn auch nicht von gleicher Wichtigkeit für das praktische Leben ist die Aufgabe des Zeichenunterrichtes. Von den ersten Handübungen im Zeichnen gerader Striche bis zum Nachzeichnen größerer und ausgeführter Vorlagen und zur Nachbildung der Natur in freien Zeichnungen ist ein gar weiter Weg, auf welchem zahlreiche Stufen zu durchlaufen sind. Wir können den Weg, der zu diesem Ziele führen soll, hier nicht näher angeben, denn nur die Ziele sind es, die wir in's Ange fassen wollen. Der Zweck des Zeichenunterrichtes ist vor Allem die Uebung und die allmälig zu gewinnende Sicherheit des Auges in dem Erfassen der Gestalten, das richtige Sehen der Dinge, ihrer Massen und ihrer Umrisse, ihrer Größenverhältnisse und ihrer Entfernungen, sowie ihrer Licht- und Schattenstufen. Das Zweite ist die Uebung der Hand, das fest und sicher Angeschaute in Linien und in Schattenbildung wiederzugeben; das Dritte die