Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1863
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 38 (sequence 42)
- Language
- German
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38 Vätern überliefert worden, scheint bei der Trefflichkeit der Uebersetzungen, die wir von derselben besitzen, kaum noch eine Nothwendigkeit, unr uns mit dem Geiste der heiligen Schriften vertraut zu machen. Aber ich wiederhole, es ist eine Pflicht der Pietät, welche wir damit gegen jene große Vergangenheit üben, der wir die Segnungen der Gegenwart verdanken. Näher und praktischer scheint sich als Zweck dieses Unterrichts das Verstündniß der hebräischen Gebete darzustellen, die noch den Haupttheil unseres Gottesdienstes bilden. Aber wir müssen es fast bezweifeln, ob dieses Ziel gerade für die Gebete an größeren Festtagen erreicht werden kann und ob das Verständniß des Hebräischen, so weit es erreicht wird, in Wahrheit die Andacht in dem Maße erhöht, daß dieser Zweck die Anstrengungen lohnt, welche die Aneignung dieser Kenntniß erfordert. Es ist ja wieder nur die Pietät gegen Ueberkommenes, die uns zum Festhalten an der alten heiligen Sprache in den Gebeten selbst veranlaßt; und so können wir in der That nicht von einem praktischen Zweck, sondern nur von Zwecken der religiösen Pietät sprechen, denen dieser Unterricht dient. — Faßbarer scheint der geist- und sprachbildende Einfluß, den die Erlernung der hebräischen Grammatik auf unsere Zöglinge ausübt, oder doch auszuüben vermag. Denn gerade die großen Abweichungen von dem Bau der übrigen Sprachen, die er hier kennen lernt, geben den: denkenden Schüler mannigfache Gelegenheit, tiefere Blicke in den Bau und Geist der Sprache überhaupt zu werfen, und tüchtige Lehrer werden bedeutende und erfreuliche Erfolge in dieser Richtung erzielen können. Aber wir müssen es uns gestehen, daß wir diesem Zwecke nur in den beschränktesten Grenzen zu dienen vermögen, da die hebräische Grammatik nicht als selbständiger Unterricht bis zu einem gewissen Abschluß gebracht werden kann. Vielmehr wird dieselbe einerseits nur zu dem Zwecke gelehrt, um das Verständniß der biblischen Schriften und der Gebete im Original zu erleichtern, anderntheils wird die Kenntniß derselben gewissermassen nur als Nebengewinn aus der allmüligen Erlangung jener Fertigkeit erworben, und es erscheint der streng grammatische Unterricht nur als eine Konzession gegen unser pädagogisches Gewissen, das sich dagegen sträubt, unsere