Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1863
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 36 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/9643703-7658244--418-7658282- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
36 denn sie führt uns aus der Sphäre jener kindlich erhabenen Anschauungen nach und nach in das Gebiet der biblischen Heroen- und Sagenzeit und endlich in das einer mehr und nlehr zur Geschichte ernüchternden Darstellung. Man wird daher gut thun sich diesem Fingerzeig der biblischen Schriften in der Weise anzuschließen, daß man mit dem ersten Kindesalter nicht über die entsprechende Epoche der biblischen Geschichten hinausgeht und dann allmälig zur biblischen Geschichte, von dieser zur jüdischen Geschichte und, wenn sich irgendwie die Zeit dafür findet, zur Geschichte der Juden und des Judenthums fortschreitet, um auf diese Weise eine vollständige Grundlage des thatsächlichen Materials für den geistig sittlichen Inhalt des Religions-Unterrichts zu gewinnen. Wenn die Erzählung der biblischen Geschichten durch den Lehrer unzweifelhaft in jenem schlichten und doch so edlen Ton gehalten sein muß, in dem sie die Bibel selbst gibt, so wird die Lektüre der heiligen Schrift selbst die beste Quelle für die Kenntniß der biblischen und jüdischen Geschichte bilden. Aber die Bekanntschaft mit der Bibel selbst und das unmittelbare Schöpfen aus derselben bildet auch sonst einen wichtigen und nothwendigen positiven Unterbau für die Aufgabe des Religionsunterrichts. Die Einpflanzung der Lehren des Sittengesetzes in Geist und Gemüth der Jugend soll ja nicht als Aufstellung eines allgemeinen Systems der Moral, auch nicht einmal als freie Schöpfung des Lehrenden erscheinen — wie groß auch gerade für diesen Unterricht die Macht der Persönlichkeit auf das Gemüth der Jugend sein mag und soll —, sondern überall soll dieses Gesetz als Strahl des Lichtes empfunden werden, das unfern Vätern, als den Trägern und Verkündern unserer Religion aufgegangen ist. Die biblischen Sprüche, die Worte der Propheten und des Psalmisten, mit denen die großen Wahrheiten der Religion und Sittenlehre bezeugt werden, sind zugleich die selbftredenden Zeugnisse, daß die väterliche Religion der älteste und reinste Quell dieser Wahrheiten ist, aus welchem endlich die ganze Menschheit ihre Segnungen schöpfen soll. Die Bedeutung der gewonnenen Erkenntniß wird durch die Autorität der Religion geweiht und gehoben und die Liebe und Anhänglichkeit für die