Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1863
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 14)
- Language
- German
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10 miltheilen, über einen Gegenstand seines Gedankenkreises seine Ansicht zusammenhängend und verständig darstellen lernen. Das alles kann nur durch Hebung und Belehrung im Nachbilden guter Musterstücke, durch Bildung des Geschmacks, Belebung der Phanthasie, Erweckung und Leitung des Selbstdenkens und Gewöhnung an geeignete Ordnung des gegebenen oder gesammelten Denkstoffes angestrebt und annähernd ereicht werden. Aber gewiß wird Niemand für dieses Lehrgebiet ein bestimmtes Pensum aufstellen wollen. Es wird vielmehr das Maaß und das Wesen der Leistungen hier ganz besonders von der Individualität des Lehrers und des Schülers abhängen. Nur wird auch hier im Allgemeinen bei der Wahl der Aussatzstoffe und in der Form ihrer Behandlung die Klippe der Ueberspannung der Kräfte aufs vorsorglichste zu vermeiden und die Heranwachsende Jugend vor der Gefahr einer inhaltlosen Schönrednerei und eines hohlen Enlpfindungspathos besonders zu hüten sein. Endlich soll der Unterricht in der Muttersprache den Schüler in entsprechenden Grenzen mit den Erzeugnissen der vaterländischen Literatur bekannt machen und ihm für dieselben Jnterresse und Berstündniß einflößen. — Von Stufe zu Stufe fortschreitend lernt das Kind aus den: Lesebuch, in prosaischen und poetitschen Lesestücken, gute und mustergiltige Erzeugnisse dieser Literatur aus den Gebieten, die nach und nach seiner Fassungskraft zugänglich werden, kennen und nimmt sie zum Theil durch Memoriren wohlgewählter und nicht zu zahlreicher Gedichte auch in sein Gedüchtniß auf. Dabei ist aber vor Allem die sorgfältigste Aufmerksamkeit aus gutes und allmälig auch auf geschmackvolles aber nicht pathetisches Lesen und Vortragen zu richten, und eben so das geläufige und gedankenlose, wie das ängstlich stotternde Hersagen des Memorirten zu vermeiden. Denn dieses verleidet eben so die Freude an der Dichtung, wie sie durch verfrühtes und überspannendes Erklären der dichterischen Schönheiten verkümmert und gefälscht wird. Alan wird in den obersten Klassen zum gemeinsamen Lesen klassischer Meisterwerke der verschiedenen Literaturepochcn fortschreiten und daran am besten diejenige Belehrung über die vaterländische Literaturge-