Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1863
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 11)
- Language
- German
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7 Lernens in der Schule gemacht werden müssen. Es muß die Schule aber auch darnach streben, ein Sprechen und Lesen zu erzielen, das den Anforderungen des aesthetisch Schönen entspricht und ein tieferes Verständniß des Schriftstellers und Dichters und seiner Absichten beim Leser bekundet und beim Hörer hervorruft. Das Lehren und Neben eines verständig und verständlich richtigen Sprechens und Lesens ist eine Aufgabe, deren Werth nicht selten unterschätzt wird, die aber eine Schule, wie die unsrige, mit fortgesetzter Aufmerksamkeit zu verfolgen nicht versäumen darf. Der Zögling einer Schule, wie die unsrige, soll ferner ohne Zweifel auch in dem Sinne richtig sprechen und schreiben lernen, daß er sich in Rede und Schrift keinen Verstoß gegen die Regeln der Grammatik und Orthographie zu Schulden kommen läßt. Man kann Beides in den meisten Fällen durch fortgesetzte Uebung und durch sorgfältige und andauernde Aufmerksamkeit erzielen. Aber wir können und dürfen die Muttersprache unserem Zöglinge nicht lediglich zum mechanisch erworbenen Eigenthum werden lassen, ohne ihn in das Verständniß ihres inneren Baues einzuführen und ihm damit den reinsten und reichsten Quell der Geistesbildung zu eröffnen. Denn der menschliche Geist vermag in keinem andern Gegenstand seines Wissens sich selbst und sein Wesen in dem Maße zu erkennen, wie in der Sprache, die ja in allen ihren Formen und Elementen das Organ und der Ausdruck desselben ist. Der Sprachunterricht wird daher immer und überall als die wesentlichste Grundlage der formalen und materiellen Geistesbildung anerkannt werden müssen, da der Mensch eben diese Bildung sowohl aus ihr schöpft, wie er sie nur durch sie zu bekunden vermag. Aber eben wegen des unerschöpflichen Reichthums und der unergründlichen Tiefe der Bildungselemente, welche die Sprache bietet, ist es außerordentlich schwer, die Grenzen zu bestimmen, innerhalb deren sich der grammatische Unterricht in der Schule bewegen und vollenden soll. — Auf keinem Unterrichtsgebiet muß es sich daher der Lehrer in der Schule mit gleicher Strenge zur Pflicht machen, sich in Breite nnd Tiefe seines Unterrichts auf dasjenige zu beschränken,