Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1863
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 10)
- Language
- German
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6 bestimmt auszusprechen, während ihres ganzen Lebens nicht. Wie wichtig und nothwendig ist es also, diese Fähigkeit frühzeitig zu üben, oder vielmehr ihre freie Uebung zu überwachen und zu lenken und in dieser Uebung bis zu den fortgeschrittensten Stufen der Jugendbildung nicht zu ermüden. Denn nur wer bestimmt und klar zu sagen vermag, was er meint und will, hat eine Meinung und einen Willen und kann denselben zur Geltung bringen. Oder auch umgekehrt: Nur wer sich seiner eigenen Ansichten und Gefühle klar bewußt ist, kann sie für Andere verständlich zum Ansdruck bringen. Darum kann die Fähigkeit des Sprechens in dem hier bezeichneten Sinne nur auf dem Wege des bestimmten Sehens und Hörens, des klaren Selbstanschauens und Denkens erworben werden. Darum kann dasselbe aber auch nicht zum Gegenstand eines besondern Unterrichts gemacht, sondern nur auf den: Wege der sorgfältigen und fortgesetzten Uebung an dem gesammten Anschauungs- und Unterrichtsmaterial der Schule auf allen ihren Stufen allmälig angeeignet werden. Das Kind soll richtig sprechen und lesen lernen. Die Wiedergabe dessen, was der Mensch selber denkt, oder was Andere gedacht und ausgezeichnet haben, muß, wenn sie die rechte Wirkung auf den Hörenden üben soll, nicht nur den Lautwerth, sondern auch den Gedankenwerth bestimmt und verständlich zur Geltung bringen. Es muß im Sprechen und Lesen jedes Wort und jedes Satzglied nach Maßgabe des Werths und der Bedeutung hervortreten, die ihm in dem Gedankenausdruck zukommt. Die innere Gedankeneinheit jedes Satzes und die organische Gliederung desselben in seinen Elementen muß auch durch entsprechende Einheit und Gliederung des Gesprochenen und Gelesenen zum Ausdruck und zum Verständniß gelangen; der Satzton und die wechselnde Hebung und Senkung der Stimme, der Fluß der Rede und das Einhalten der kleinern und größern Ruhepunkte nach Maßgabe der Interpunktion sind nicht etwa nur ein angenehmer Schmuck des Sprechens und Lesens, sondern Zeugnisse und Mittel des Verständnisses, die von Jedem erzielt werden können und daher auch zürn Gegenstand des Lehrens und