Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1862
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 33 (sequence 33)
- Language
- German
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33 deten Schülers eine beschränkte, einseitige — erlernte sein. Er wird die einzelnen Fälle nach gegebenen Regeln würdigen, aus gegebenen Voraussetzungen die richtigen Schlußfolgerungen ziehen; aber nicht die Regel und das Gesetz selbst finden, nicht die Idee erfassen können. Der Gesichtskreis ist zu eng, und ihn zu erweitern ist in seiner Vorbildung nicht der innere Anstoß, in seiner Berufsthätigkeit nicht die äußere Anregung gegeben. Vor Allem aber tragen seine Tugenden, die er etwa aus der Schule in's Lehrhaus mitbringt, das Gepräge des Nüchternen; und auch die Kraft sie zu wahren und zu erhalten, wenn der äußere Zwang und Anstoß nicht mehr vorhanden ist, ist keine zuverlässige. Es fehlt ihm die Weihe und Wärme einer bewußten sittlichen Lebensaufgabe, für die er sie übe, das Gefühl einer fteien Willenskraft, die sich als solche dem Gesetz unterordnet, der Schwung der Begeisterung für die Interessen des Vaterlandes, der Glaubensgemeinschaft, der Menschheit, denen er zu dienen bestimmt ist, die Originalität eines ausgeprägten Charakters, die sich in seiner Denk- und Handlungsweise zu erkennen gibt. Zu alledem konnte es in unserer zweiten Entwickelungsepoche nicht kommen und es ist schwerlich zu erwarten, daß sich in dem Kreislauf der Lehrlingsthätigkeit diese Eigenschaften ausbilden, für deren Entfaltung die warmen Sonnenftralen eines der freien Selbstbildung gewidmeten Jünglingslebens erforderlich sind. Das ist vielmehr die Aufgabe unserer dritten Bildungsepoche. Und darum nehmen wir für unsere Schule, als das geringste Maß der Forderung, auf die wir bestehen müssen, wenigstens noch ein Jahr dieser Epoche in Anspruch. Wir stellen das Pensum unserer Schule für Knaben unbedingt auf das Minimum des vollendeten fünfzehnten Jahres (für Mädchen auf das vollendete sechszehnte), um sie wenigstens durch Eine Stufe dieser höheren Geistes- und Seelenentwickelung hindurch zu führen, und ihr Auge für das Verständniß der Aufgabe zu öffnen, die hier gelöst werden soll. Wir wissen sehr wohl, wie wenig es ist, was wir in diesem einen Jahr für die Zwecke der höhern Bildung zu leisten vermögen. Aber es ist doch Etwas, und 3