Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1862
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 30 (sequence 30)
- Language
- German
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30 Lebens im Erwerben und Besitzen zu finden vermeint, und der nicht nur für alle höheren Aufgaben und Anforderungen, ja auch für alle höheren Freuden und Genüsse des Lebens gleichgültig und unempfänglich ist, sondern auch in der Fülle des Besitzes, die ihm vielleicht zu Theil wird, den rechten Werth desselben nicht erkennt und der rechten Freude nicht theilhaftig wird, die er zu gewähren vermag. Denn diese kann nicht aus dem Erwerben und Besitzen, sondern nur aus der rechten Verwendung und Verwerthung der sittlichen und geistigen Kraft geschöpft werden, die er dem Einsichtsvollen, dem Höherstrebenden in seinem Beruf, im gesellschaftlichen und im öffentlichen Leben verleiht. Ja es ist etwas Anderes dem Heranwachsenden Jüngling nothwendig, was er aus der Schule und aus seiner Bildungszeit in seine praktische Lebensbahn mit hinaus nehmen muß, wenn ihm der eigentliche Werth des Lebens und Schaffens, des Erwerbens und Besitzens nicht durch Ausschreitung nach der einen oder der andern Richtung verloren gehen soll. Er muß das Ziel und die Aufgabe seines Lebens, er muß das, was man überhaupt das Leben nennt, nicht erst aus der sogenannten Lehr- und Vorbereitungszeit für den praktischen Beruf kennen und würdigen lernen. Er muß aus seiner Vorbereitungszeit für die allgemeine menschliche Bildung, wie sie die Schule ihm zu geben bestimmt ist, schon gewisse allgemeine Ideen und Vorstellungen von höheren Pflichten und Genüssen des Lebens in die Anfänge seines Berufslebens mitbringen, um durch diese vor dem Verfallen in die Einseitigkeit der Lebensanschauung und der Lebensthätigkeit bewahrt zu werden, zu welcher jeder Lebensberuf den Ungebildeten und den Halbgebildeten leicht verleiten kann, und um andererseits in der rechten und allseitigen Erfassung des eigenen Berufs, in der Erkenntniß der Bedeutung, die dieser für das Allgemeine hat, diejenige Befriedigung finden zu können, welche die einseitige Auffassung und Uebung desselben nimmermehr zu gewähren vermag. Wenn nicht geleugnet werden kann, daß dieses Streben nach höherer Bildung und nach einer würdigem Erfassung des eigenen Berufs dem Heranwachsenden Geschlecht unseres Kauf-