Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1862
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 22)
- Language
- German
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22 wonnene Anschauungen zum Gegenstand seiner Betrachtung zu machen: den Gegenstand in seine Theile und Eigenschaften, das Wort in seine Laute, die Menge in ihre Einheiten zu zerlegen, und diese so erkannten Elemente seiner ursprünglichen Gesammt-Anschauung nach ihrer Gleichartigkeit und Verschiedenheit zu ordnen und zu unterscheiden und ste darnach wieder zu neuen Gebilden zusammenzusetzen. Wie soll aber diese Thätigkeit, die im elementaren Anschauungs-Schreiblese- und Rechenunterricht geübt werden muß, zu einer fruchtbaren werden, wenn das Kind das hierzu erforderliche Material noch nicht besitzt? wenn es überhaupt noch nicht zur genügenden Mannichfaltlgkeit und Klarheit der Anschauungen gelaugt ist, um dieselben durch eigene Verstandsthätigkeit in ihre Elemente zerlegen zu können? wenn es der Sprache noch nicht mächtig ist und von seinen eignen und fremden Lautgebilden noch kein so bestimmtes Bild in's Ohr ausgenommen hat, um die einfachen Laute zu erkennen? wenn die Massen noch so sehr vor seinen Augen verschwimmen, daß es schon bei niedrigen Zahlen die Einheiten nicht mehr zu erfassen vermag? und wenn es auch über seine Hand noch zu wenig Herrschaft ausübt, um ihr die Wege vorzuzeichnen, welche die Nachahmung der Buchstaben vorschreibt? Kinder, die nicht selten vor vollendetem sechstem Lebensjahr, ja wohl auch schon mit dem fünften Jahre der Schule anvertraut werden, bekunden daher häufig schon auf dieser elementarsten Stufe des Unterrichts ihre völlige Unreife für die Forderungen desselben. Sie setzen der geistesweckenden Thätigkeit des Lehrers, von der die gereifteren Zöglinge zu frischer, lebendiger Selbstthätigkeit angeregt werden, stumpfe Gleichgültigkeit gegenüber, sehen und hören mit halbem Aug und Ohr, und gewöhnen sich allenfalls, dem Lehrer oder der Masse ihrer Mitschüler nachzusprechen und nachzuthun, was sie von ihnen hören und sehen, und endlich lernen sie, wohl mehr mechanisch als verstandesmäßig, was äußerlich gefordert wird. Aber sie schleppen oft durch viele Jahre, durch die ganze Schule und vielleicht durchs ganze Leben diese Unfähigkeit und Trägheit im Selbstdenken und Selbftthun, die sie außer Stand setzt die Aufgabe der Schule und des Lebens jemals voll und frisch in sich aufzunehmen