Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1862
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 20)
- Language
- German
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20 Empfindens in den Boden hinein lebt, dem es entsprungen und auf dem es gewachsen ist, wie die Pflanze nicht minder in die Tiefe wie in die Höhe wächst und mit ihren Wnrzelfasern sich um so fester in den mütterlichen Schooß der Erde eingräbt, je mächtiger und höher ihr Stamm zur Sonne emporstrebt. — Das Gemüthsleben der Kindheit gehört ausschließlich der Familie. Vater und Mutter, Prüder und Schwester sind die ausschließlichen Elemente seines sittlichen Empfindens uub Wollens: jene seine Gottheit, diese seine Menschheit. Von jenen empfängt es die Gebote, die ihm den Weg des Lebens vorschreiben; mit diesen erfüllt es gemeinsam ihren Willen. Jene sind der Quell alles Guten, das es genießt, und alles Wissens, nach dem es begehrt; diese die Mitgenießenden jener Wohlthaten. Das Kind das die Zeit seiner ersten Entwickelung im Elternhause und in steter Gemeinschaft mit Eltern und Geschwistern durchlebt, erfüllt seine ganze Seele mit Befriedigung am Genuß der Liebe, die es empfängt und mit dem unbewußten Drange nach Kundgebung der Liebe, die es empfindet. Es schöpft seine Vorstellungen von Recht und Unrecht aus dem unversiegbaren Quell des Beispiels, das es von Vater und Mutter und von älteren Geschwistern empfängt, und bildet auch sein Empfinden nach dem Vorbilde, das sie ihm vor die Seele führen. Mit einem Worte: das Kind gehört euch, ihr Väter und Mütter, mit seinem vollen ungetheilten Dasein so lange es auf dieser Stufe der Entwickelung steht, wenn ihr nicht selbst es von eurer Seite in eine Welt hinausdrängt, nach der es noch kein Verlangen und für die es noch kein Verständniß hat. Und ihr meint wirklich ihm eine Wohlthat und euch eine Freude zu bereiten, wenn ihr es früh- und vorzeitig aus der Sphäre einer solchen freien Selbstentfaltung in die Schule, in die Sphäre der geordneten und vorschriftsmäßigen Lern- und Verstandesthätigkeit drängt, damit es ja zur rechten bereits vorausberechneten Zeit fertig, d. h. in den Stand gesetzt werde in den praktischen Lebensberuf einzutreten? Ihr wollt euch selbst die Zeit der schönsten und reinsten Freuden verkürzen und verkümmern, die ihr aus dem selbfteigenen Werden und Wachsen