Mannheim
Compact Memory

Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde · 1862-01-01 · 1862 · p. Seite 19

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
Volume
1862
Date
1862-01-01
Page
Seite 19 (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
97% known words query
IRI
…/9643703-7658177--329-7658196
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

19 her träumerisch zu horchen gewohnt war. In gleicher Weise belebt der Knabe sein Bilderbuch, das seine kleine Welt in sich schließt, die Stadt, die er sich aus der Spielschachtel aufbaut, den Stock, auf dem er reitet, den Kramladen, in dem er seine Maaren feil hält, oder was sich sonst seiner Phantasie darbietet. Er verwandelt sich selbst und seine Kameraden ohne Weiteres in jede beliebige Person, die er aus einem Mährchen oder sonst wo kennen gelernt; und wenn er Scenen der Erinnerung oder eigener Erfindung mit ihnen aufführt, muß sich die ganze Umgebung sofort nach seinem Belieben umwandeln: in einen Wald oder Zaubergarten, in die Wunderhöhle oder in den Feenpalast; und die Kleinen verstehen sich bei diesem Dichtungswerk so schnell, daß kaum ein Mißverständniß unter ihnen zu fürchten ist. Die Phantasie wird aber auf diese Weise zugleich zur stärksten Triebkraft für die schaffende und gestaltende Thätigkeit des Kindes, die in dieser Epoche ebenfalls mit großer Lebhaftigkeit hervortritt; und der Sandhaufe, den es in ein Bauwerk umwandelt, das Papier, das es zu gestalten versucht, das Bild, das es in rohesten Umrissen aufzeichnet, und auch das Zerstörungswerk, das es mit seinem Spielzeug, oder wohl auch mit der Uhr des Vaters vornimmt, um es wieder zusammen zu setzen, müssen alle zur Befriedigung dieses Thätigkeitstriebs dienen, für den die Phantasie sein Lehrmeister ist. Auch diese reiche und fruchtbare Selbstthätigkeit der Phantasie wird mit dem Eintritt in die Schule ihren freien Schwung aufgeben müssen, indem sich die Aufmerksamkeit immer an die reale Wirklichkeit anschließen muß. Aber die Schule wie das Leben wird einer wichtigen Hilfskraft für ihre Forderungen entbehren, wenn die Entwickelung dieser Geisteskraft allzufrüh unterbrochen und der Uebergang zur streng verstandesmäßigen Auffassung der Dinge und Erscheinungen gefordert wird, ehe derselbe im innern Leben des Kindes von selbst eintritt. — Endlich aber ist die Epoche der Kindheit diejenige', in welcher das Gemüth des Kindes sich frei und unbewußt, aber darum auch mit der ganzen Tiefe und Innigkeit des unbefangenen 2»

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.